Bauherren-Checkliste – Erdbebensicher bauen

Erdbebensicher neu bauen, sanieren oder umbauen

(DIN EN 1998 – Eurocode 8)

Diese Checkliste hilft Ihnen, frühzeitig Klarheit zu bekommen – und spätere Überraschungen bei Planung, Genehmigung oder Kosten zu vermeiden.

Standort prüfen

☐ Liegt mein Grundstück in einem ausgewiesenen Erdbebengebiet?
☐ Wurde die regionale Erdbebengefährdung vom Planer abgefragt?
☐ Ist bekannt, welche Baugrundklasse vorliegt?

Warum wichtig?
Die Erdbebeneinwirkung hängt stark vom Standort und vom Baugrund ab.

Klären, ob ein Erdbebennachweis erforderlich ist

☐ Wurde mit dem Tragwerksplaner besprochen, ob ein Erdbebennachweis notwendig ist?
☐ Ist festgelegt, nach welchem Regelwerk gerechnet wird (DIN EN 1998)?
☐ Ist der aktuelle Nationale Anhang berücksichtigt?

Warum wichtig?
Nicht jedes Haus braucht einen Nachweis – aber wenn doch, muss er korrekt geführt werden.

Tragwerkskonzept hinterfragen (Neubau)

☐ Sind tragende Wände von oben bis unten möglichst durchlaufend angeordnet?
☐ Gibt es kein „weiches Geschoss“ (z. B. unten offen, oben massiv)?
☐ Ist der Grundriss möglichst regelmäßig (keine extremen Versprünge)?
☐ Sind größere Auskragungen oder asymmetrische Bauformen statisch geprüft?

Merksatz:
Ein einfaches, klares Tragwerkskonzept ist meist erdbebensicherer und wirtschaftlicher.

Anschlüsse und Details beachten

☐ Sind Wand-Decken-Anschlüsse sauber geplant?
☐ Sind Ringanker und Verankerungen ausreichend dimensioniert?
☐ Sind Giebel, Attiken oder schwere Fassadenteile sicher befestigt?
☐ Wurden schwere Einbauteile (z. B. Technik, große Verglasungen) berücksichtigt?

Erdbeben beanspruchen besonders Anschlüsse – nicht nur „dicke Wände“.

Bodenplatte und Dämmung prüfen (bei nicht unterkellerten Gebäuden)

☐ Ist die Dämmung unter der Bodenplatte für lastabtragende Anwendungen zugelassen?
☐ Wurde die Schubübertragung bei Horizontallasten geprüft?
☐ Ist die Gleitsicherheit rechnerisch nachgewiesen?

Wichtig:
Eine Dämmschicht darf nicht zur ungewollten „Gleitebene“ werden.

Bestand: Eingriffe richtig bewerten

☐ Werden tragende Wände entfernt oder große Öffnungen geschaffen?
☐ Ist eine Aufstockung oder erhebliche Massenerhöhung geplant?
☐ Wird ein Anbau starr mit dem Bestand verbunden?
☐ Wurde geprüft, ob dadurch neue Nachweise erforderlich werden?

Tipp:
Bei Anbauten kann eine konstruktive Trennung oft Risiken reduzieren.

Frühzeitig abstimmen

☐ Wurden Architekt und Tragwerksplaner frühzeitig eingebunden?
☐ Ist das Thema Erdbebensicherheit Bestandteil der Vorplanung?
☐ Sind mögliche Mehrkosten transparent besprochen?

Je früher geklärt, desto geringer das Risiko späterer Änderungen.

Fazit für Bauherren

Erdbebensicheres Bauen bedeutet nicht automatisch höhere Kosten.
Es bedeutet vor allem:

✔ anforderungsgerechte Planung
✔ regelmäßige, durchgängige Tragwerksstruktur
✔ saubere Detailausbildung (z.B. Verankerungen, Anschlüsse)
✔ frühzeitige Abstimmung