www.baukosten.com > Baukostenmanagement > Kostensenkungs-Strategien
Die Baukostensenkungs-Strategie „Mit anderen gemeinsam bauen“ bzw. „Mit anderen Bauherren kooperieren“ stellt eine besonders effektive Methode dar, um Bauprojekte günstiger zu realisieren. Dabei schließen sich mehrere Bauherren zusammen, um Synergieeffekte zu nutzen, die Baukosten zu teilen und gemeinsam von bestimmten Vorteilen zu profitieren. Neben der Einsparung von Baukosten können auch laufende Betriebskosten gesenkt und ein nachhaltigerer Umgang mit Ressourcen gefördert werden. Diese Strategie erfordert eine enge Zusammenarbeit und eine gute Planung, bietet jedoch zahlreiche Vorteile.
Im Folgenden werden die wichtigsten Facetten und Möglichkeiten dieser Strategie detailliert beschrieben:
1. Gemeinsame Grundstücke und Infrastruktur
Ein zentraler Aspekt der Strategie „Mit anderen gemeinsam bauen“ ist die gemeinsame Nutzung von Grundstücken und Infrastruktur. Wenn mehrere Bauherren gemeinsam ein großes Grundstück erwerben, lassen sich die Kosten pro Bauherr meist deutlich senken. Ist ein großes Grundstück (z.B. 1200 m2) für ein EFH zu groß, für ein MFH durch einen Immobilieninvestor aber zu klein, kann vielleicht ein günstiger Kaufpreis verhandelt werden. Grundstückspreise machen zumeist einen erheblichen Teil der Gesamtbaukosten aus. Durch den gemeinsamen Kauf eines größeren Grundstücks können auch attraktivere Lagen erschwinglich werden.
Auch die Erschließung des Grundstücks – wie der Bau von Wegen, Zufahrten, Entwässerungssystemen und Versorgungsleitungen – wird deutlich günstiger, wenn die Kosten unter den Bauherren aufgeteilt werden. Beispielsweise kann eine gemeinsame Zufahrt für mehrere Häuser oder eine zentrale Wegebeleuchtung Kosten einsparen, die bei Einzelprojekten für jedes Haus separat anfallen würden. Zudem lassen sich größere Grundstücke, die zumeist eine schmale Straßenseite und eine große Tiefe haben, oft auch in der Tiefe teilen. Das heißt ein Haus liegt zur Straße, das andere zum Garten. Da die Ansprüche zwischen den „Baufamilien“ oft unterschiedlich sind, kann das manchmal gut passen ! Hierbei ist natürlich der örtliche Bebauungsplan zu berücksichtigen.
2. Gemeinsam genutzte Bauteile
Die Nutzung gemeinsamer Bauteile ist ein weiterer Kernpunkt der Kostensenkung beim kooperativen Bauen. Durch die gemeinsame Nutzung bestimmter Gebäudeteile und Infrastrukturen lassen sich sowohl die Bau- als auch die Betriebskosten reduzieren. Folgende Bauteile und Infrastrukturen bieten großes Potenzial für eine gemeinsame Nutzung:
- Gemeinsame Garagen oder Carports: Statt für jedes Haus eine eigene Garage zu bauen, können mehrere Bauherren eine große Tiefgarage oder eine Reihenanlage von Carports teilen. Dies spart Baukosten für Fundamente, Wände und Dächer sowie den notwendigen Platzbedarf auf dem Grundstück.
- Gemeinsame Heizungsanlagen: Insbesondere in kleinen Neubaugebieten oder Baugemeinschaften ist die gemeinsame Nutzung eines Heizsystems, z. B. einer zentralen Heizungsanlage, sehr vorteilhaft. Eine zentrale Pelletheizung, Wärmepumpe oder ein Blockheizkraftwerk kann mehrere Häuser gleichzeitig versorgen. Dadurch reduzieren sich die Installationskosten und der Platzbedarf, während die Betriebskosten durch die gemeinsame Nutzung ebenfalls sinken.
- Photovoltaik-Anlagen (PV): Eine große, zentral auf dem Dach installierte Photovoltaikanlage kann effizienter und kostengünstiger sein als mehrere kleine Einzelsysteme. Der produzierte Strom kann auf die beteiligten Bauherren aufgeteilt werden, was sowohl die Anschaffungskosten als auch die laufenden Stromkosten senkt. Je nach Regelungen und Technik können auch Batteriespeicher gemeinsam genutzt werden, um den Eigenverbrauch zu optimieren.
- Regenwasserzisterne: Die gemeinsame Nutzung einer Regenwasserzisterne für die Gartenbewässerung oder die Toilettenspülung in mehreren Häusern spart Baukosten und sorgt für eine nachhaltige Ressourcennutzung. Eine zentrale Zisterne ist kostengünstiger als der Bau mehrerer kleiner Einzelzisternen, da die Gesamtkapazität effektiver genutzt werden kann.
- Gemeinschaftliche Gartenflächen: Ein weiterer Vorteil des gemeinsamen Bauens ist die Möglichkeit, Gärten oder Freiflächen gemeinsam zu nutzen. Ein großer, gemeinschaftlicher Garten oder Innenhof kann verschiedene Funktionen erfüllen, wie z. B. Spielflächen, Sitzplätze oder Gemüsegärten. Die Anlage und Pflege solcher Flächen ist günstiger, wenn sie gemeinsam geplant und genutzt werden, als wenn jeder Bauherr seinen eigenen privaten Garten anlegt.
- Gemeinsame Abstellräume oder Werkstätten: Statt für jedes Haus einen separaten Keller oder Abstellraum zu bauen, können Gemeinschaftsräume für Lagerung oder handwerkliche Tätigkeiten angelegt werden. Dies spart nicht nur Baukosten, sondern auch Platz und ist besonders in dichter bebauten Gebieten eine attraktive Option.
3. Kostenteilung bei Planungs- und Bauleistungen sowie Materialeinkäufen
Ein weiterer Vorteil der Strategie „Mit anderen gemeinsam bauen“ liegt in der Teilung der Planungs- und Baukosten. Wenn mehrere Bauherren denselben Architekten, Bauleiter oder Handwerksbetrieb beauftragen, lassen sich die Kosten für Planung und Bauausführung deutlich reduzieren. Dies gilt besonders für Baugruppenprojekte, bei denen eine einheitliche architektonische Planung oder ähnliche Baukonzepte genutzt werden.
- Architekten- und Ingenieurleistungen: Ein gemeinsamer Architekt kann einheitliche Planungen für mehrere Häuser erstellen, was Kosten spart und die Koordination erleichtert. Da ähnliche Bauprozesse standardisiert werden können, reduzieren sich auch die Planungszeiten und die Komplexität der Ausführung.
- Handwerksleistungen: Wenn mehrere Häuser gleichzeitig oder in schneller Abfolge errichtet werden, können Handwerksbetriebe ihre Arbeiten optimieren und günstigere Preise anbieten. Beispielsweise können Maurer, Elektriker oder Dachdecker durch die gleichzeitige Bearbeitung mehrerer Objekte Material- und Zeitkosten sparen, da Anfahrtszeiten und -kosten minimiert und Materialien in größeren Mengen beschafft werden können.
- Materialeinkäufe: Wenn man beim Baustoffhändler oder Baumarkt einkauft, macht es Sinn die für die Bauten benötigten Materialien gemeinsam einzukaufen. Ein sinnvoller Schritt ist das Volumen für ein Objekt zu definieren und den Einkaufspreis zu verhandeln. Nach der Einigung bringt man das größere Zusatzvolumen ins Spiel und verhandelt nach. In der Regel lässt sich so ein Zusatz-Rabatt erzielen, insbesondere dann, wenn die Materialien der Häuser sehr vergleichbar oder sogar identisch sind.
4. Gemeinsame Wartung und Pflege
Nicht nur während der Bauphase, sondern auch nach der Fertigstellung können durch gemeinsames Bauen langfristig Kosten gesenkt werden. Gemeinschaftlich genutzte Einrichtungen wie Heizsysteme, PV-Anlagen oder Gartenflächen erfordern gemeinsame Wartungs- und Pflegearbeiten, die ebenfalls aufgeteilt werden können. Durch die Kooperation bei der Instandhaltung lassen sich Folgekosten für die einzelnen Bauherren minimieren.
Beispiele:
- Heizungswartung: Die Wartungskosten für eine zentrale Heizungsanlage oder ein gemeinsames Blockheizkraftwerk können unter den Nutzern aufgeteilt werden, was im Vergleich zu separaten Heizsystemen für jedes Haus günstiger ist.
- Gemeinschaftsgarten: Ein gemeinsam genutzter Garten kann entweder von den Bewohnern gepflegt werden oder es kann ein externer Gärtner beauftragt werden. Die Kosten für den Gärtner lassen sich auf die beteiligten Parteien aufteilen, was günstiger ist, als wenn jeder Bauherr einen eigenen Garten pflegen müsste.
5. Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung
Neben den ökonomischen Vorteilen bietet das gemeinsame Bauen auch ökologische Vorteile. Durch die gemeinsame Nutzung von Infrastrukturen und Bauteilen wird der Ressourcenverbrauch gesenkt, was die Umweltbelastung verringert. Weniger Baumaterialien, weniger Energieverbrauch durch effizientere Systeme und die bessere Nutzung von Ressourcen wie Regenwasser oder Sonnenenergie tragen dazu bei, dass der ökologische Fußabdruck reduziert wird.
6. Förderung der Gemeinschaft und des sozialen Zusammenhalts
Ein häufig unterschätzter Aspekt des gemeinsamen Bauens ist die soziale Komponente. Wenn mehrere Bauherren gemeinsam planen und bauen, entstehen oft engere soziale Bindungen, die das Zusammenleben erleichtern. Besonders bei Projekten wie Mehrgenerationenhäusern, genossenschaftlichen Wohnformen oder Baugemeinschaften stehen auch soziale und gemeinschaftliche Werte im Vordergrund. Gemeinsame Gärten, Spielplätze oder Gemeinschaftsräume fördern den Austausch und das Miteinander, was gerade in städtischen Gebieten oder Neubausiedlungen von Vorteil ist.
7. Rechtliche und organisatorische Rahmenbedingungen
Die Strategie „Mit anderen gemeinsam bauen“ erfordert jedoch auch eine gute rechtliche und organisatorische Basis. Es müssen klare Regelungen zur Aufteilung der Kosten, zur Nutzung gemeinsamer Flächen und Infrastrukturen sowie zur Instandhaltung getroffen werden. Häufig wird dies durch Baugemeinschaften, Genossenschaften oder andere rechtliche Konstrukte organisiert, die die Interessen der Bauherren bündeln und vertreten.
Es ist ratsam, von Anfang an vertragliche Vereinbarungen zu treffen, um potenzielle Konflikte zu vermeiden. Auch eine genaue Planung der Eigentumsverhältnisse, etwa durch Teilungserklärungen bei gemeinschaftlich genutzten Grundstücken oder Bauteilen, sollte gut durchdacht sein.
Fazit
Die Baukostensenkungsstrategie „Mit anderen gemeinsam bauen“ bietet zahlreiche Vorteile durch die Zusammenarbeit mehrerer Bauherren. Durch die gemeinsame Nutzung von Grundstücken, Bauteilen und Infrastrukturen sowie die Teilung von Planungs- und Baukosten können erhebliche Einsparungen erzielt werden. Neben den ökonomischen Vorteilen fördert diese Strategie auch Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und sozialen Zusammenhalt. Um den vollen Nutzen aus dieser Strategie zu ziehen, ist jedoch eine gute Organisation, klare Absprachen und eine durchdachte rechtliche Grundlage unerlässlich.
Hier noch Fragen und Antworten, die das Thema vertiefen können :
Welche Vorteile hat gemeinschaftliches Bauen im Vergleich zum Alleingang?
Gemeinsam statt allein – warum sich Bauherren in einem Neubaugebiet zusammentun sollten
Wie lassen sich Gemeinschaftsflächen oder Mehrzweckräume planen, um Flächen optimal zu nutzen?
Welche Erfahrungen haben andere Bauherren mit Gemeinschaftsbauprojekten gemacht?
Wie kann man Gleichgesinnte für ein gemeinschaftliches Bauvorhaben finden?
Welche langfristigen Vorteile bietet gemeinschaftliches Bauen für die Bewohner?
Wie viel Eigenleistung ist bei einem gemeinschaftlichen Bauvorhaben realistisch?
Welche Rolle spielen Architekten und Bauplaner in einem Gemeinschaftsbauprojekt?