Checkliste für die Überprüfung des optisch erkennbaren Zustands eines Ein-/Zweifamilienhauses aus den Jahren 2000-2010

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Eine Checkliste, die Ihnen hilft, den Zustand eines Ein- oder Zweifamilienhauses aus den Jahren 2000–2010 bei einer Erstbesichtigung zu bewerten. Diese Liste zielt darauf ab, sichtbare Mängel und potenzielle Sanierungsbedarfe festzustellen, ohne in die Bausubstanz einzugreifen.


1. Äußere Erscheinung und Grundstück

  • Fassade: Prüfen Sie auf Risse, Verfärbungen oder Abplatzungen >> Fassaden aus den 2000er Jahren sollten in der Regel noch gut in Schuss sein, es können jedoch witterungsbedingte Schäden oder Setzungsrisse auftreten.
  • Dach: Achten Sie auf Moos, Algen und eventuelle Beschädigungen an Dachziegeln. Auch unregelmäßige Verformungen oder lose Ziegel können auf Wartungsbedarf hinweisen.
  • Regenrinnen und Fallrohre: Kontrollieren Sie, ob die Dachrinnen sauber und die Fallrohre unbeschädigt sind. Verstopfte oder undichte Fallrohre können zu Feuchtigkeitsschäden führen.
  • Grundstück und Entwässerung: Gibt es ein Gefälle vom Haus weg, um Regenwasser abzuleiten? Überprüfen Sie, ob das Grundstück einen gut gepflegten Eindruck macht.

2. Fenster und Türen

  • Fensterverglasung und Rahmen: In Häusern dieser Baujahre sind in der Regel doppelt oder sogar dreifach verglaste Fenster vorhanden. Prüfen Sie, ob die Fenster dicht schließen, der Schließmechanismus ohne Hakeln funktioniert, keine Zugluft spürbar ist und keine Kondenswasserbildung auftritt. Schauen sie nach, ob Pilzkopfverriegelungen eingesetzt sind.
  • Dichtungen: Sind die Dichtungen elastisch und intakt? Teilweise fehlende, spröde oder undichte Dichtungen lassen Zugluft und Feuchtigkeit eindringen.
  • Außentüren: Die Eingangstür und andere Außentüren sollten dicht schließen und gut isolieren. Eine intakte und solide Schließmechanik ist ebenfalls wichtig für die Sicherheit.

3. Außenwände, Innenwände und Decken

  • Dämmung der Außenwände: Wie sind die Außenwände aufgebaut (Hochlochziegel, Porotonsteine, KS-Steine + Klinkerfassade mit Isolierschicht)? Wurde ein WDVS aufgebracht ? Wie ist die Dämmqualität der Außenwand ?
  • Risse und Abplatzungen: Dünne, waagerecht verlaufende Setzrisse sind meist unbedenklich, aber größere, diagonal verlaufende Risse können auf strukturelle Probleme am Tragwerk hindeuten, die evt. sanierungsbedürftig sind.
  • Feuchtigkeit: Überprüfen Sie besonders die Wände an Außenbereichen auf Feuchtigkeit und Schimmel, besonders in Ecken und Fensterbereichen.
  • Oberflächenzustand: Sind die Tapeten, der Putz oder der Anstrich intakt und frei von Verfärbungen oder Abblätterungen? Verfärbungen können ein Hinweis auf Feuchtigkeitsprobleme sein.

4. Bodenbeläge

  • Material und Zustand: Achten Sie auf Kratzer, Dellen, Flecken oder Risse in Bodenbelägen wie Fliesen, Parkett, Vinyl oder Laminat.
  • Schalldämmung: Prüfen Sie die Trittschalldämmung, indem Sie die Geräusche von Schritten testen. Eine laute Geräuschübertragung kann auf unzureichende Trittschalldämmung hinweisen.
  • Stabilität und Unebenheiten: Gibt es lose (hohlklingende) Fliesen oder Bodenunebenheiten, die auf Probleme mit dem Unterboden hinweisen könnten?

5. Sanitäre Anlagen (Bad und Küche)

  • Armaturen und Sanitärkeramik: Überprüfen Sie alle Wasserhähne und Armaturen auf Kalkablagerungen, Rost und eventuelle Lecks.
  • Fliesen und Fugen: Achten Sie auf intakte Fliesen und Fugen, besonders in den Nassbereichen (z. B. Dusche, Badewanne). Rissige, beim Klopfen hohlklingende Fliesen oder stark verfärbte (verschimmelte) Fugen deuten auf Renovierungsbedarf hin.
  • Ablaufverhalten: Testen Sie, ob Wasser schnell und vollständig abläuft. Langsames Ablaufen kann auf Verstopfungen hinweisen.
  • Warmwasserversorgung: Prüfen Sie, wie schnell warmes Wasser verfügbar ist und ob es konstant heiß bleibt. In Häusern aus den 2000er Jahren sind meist zentrale Warmwassersysteme oder Kreislaufsysteme verbaut, die effizient sein sollten.

6. Heizungsanlage und Energieeffizienz

  • Typ und Alter der Heizung: Welche Art von Heizungsanlage ist installiert ? Fossile Brennstoffe (Öl, Gas) im Einsatz. Fußbodenheizung schon vorhanden oder welche andere Art ? Heizungen aus den 2000er Jahren sollten effizient sein, aber das Alter und der Wartungszustand sind wichtig.
  • Heizkörper: Prüfen Sie, ob die Heizkörper rostfrei sind und gleichmäßig heizen. Testen Sie, ob Thermostate vorhanden und funktionsfähig sind.
  • Dämmung und Energieverbrauch: Fragen Sie nach dem Energieausweis. Dieser gibt Hinweise zur Dämmung und zum allgemeinen Energieverbrauch des Hauses.

7. Elektrik und Verkabelung

  • Sicherungskasten und Schutzschalter: Der Sicherungskasten sollte dem modernen Standard entsprechen und einen FI-Schutzschalter enthalten.
  • Steckdosen und Schalter: Überprüfen Sie die Anzahl und den Zustand der Steckdosen und Schalter. Testen Sie, ob alle Lichtschalter und Steckdosen sicher und funktionsfähig sind.
  • Beleuchtung: Prüfen Sie die Beleuchtungsmöglichkeiten in den Räumen und achten Sie auf sichtbare Kabelschäden oder lose Installationen.

8. Lüftung und Schimmelrisiko

  • Fensterlüftung und Belüftung: Jeder Raum sollte über Fenster oder eine gute Belüftung verfügen, insbesondere Bad und Küche.
  • Lüftungsanlagen: Falls eine mechanische Lüftung vorhanden ist (z. B. Abluft in Bad oder Küche), sollte sie einwandfrei funktionieren und gut gewartet sein.
  • Schimmelanzeichen: Achten Sie auf muffige Gerüche und sichtbare Schimmelspuren an Wänden oder in Ecken.

9. Dachboden und Dämmung

  • Dachstuhl und Zustand des Holzes: Überprüfen Sie sichtbare Holzbalken auf Feuchtigkeit oder Schädlingsbefall.
  • Dachbodendämmung: In den 2000er Jahren sollte bereits effiziente eine Dämmung eingebaut sein. Prüfen Sie, ob eine Dämmschicht vorhanden ist, und achten Sie auf Anzeichen von Feuchtigkeit.
  • Lüftung und Luftzirkulation: Der Dachboden sollte gut belüftet sein, um Kondenswasser und Schimmelbildung zu vermeiden.

10. Keller und Feuchtigkeitsschutz

  • Wände und Boden: Wurde eine weisse Wanne (WU-Beton) gebaut? Prüfen Sie den Keller auf Risse, Feuchtigkeit und Schimmelgeruch. Feuchte Stellen an Wänden oder Böden können auf unzureichende Abdichtung hinweisen.
  • Belüftung: Achten Sie darauf, dass der Keller gut belüftet ist, da Kellerbereiche ohne ausreichende Belüftung zur Schimmelbildung neigen.
  • Nutzung und Ausstattung: Gibt es beheizte Räume, Abstellräume, Waschküchen oder andere Funktionsräume? Ist der Zustand dieser Räume einwandfrei?

11. Sonstige Punkte

  • Lage und Umgebung: Wie ist die Ausrichtung des Hauses? Gibt es bereits Solarthermie oder Photovoltaik. Gibt es Dachflächen die hierfür geeignet sind ?Gibt es eine ruhige Lage, oder ist Lärm von außen wahrnehmbar?
  • Schallschutz: Prüfen Sie den Schallschutz, indem Sie auf Geräusche aus angrenzenden Bereichen achten.
  • Gemeinschaftliche oder angrenzende Einrichtungen: Gibt es eine Garage, einen Carport oder Gartenanlagen? Achten Sie auch hier auf den allgemeinen Pflegezustand.

12. Dokumente und Verfügbarkeit von Informationen

  • Energieausweis und Pläne: Fragen Sie nach dem Energieausweis und eventuellen Bauplänen, die Hinweise auf Dämmung und Energieverbrauch geben.
  • Protokolle und Sanierungspläne: Falls das Haus Teil einer Wohnanlage oder einer gemeinsamen Verwaltung ist, fragen Sie nach Protokollen der Eigentümerversammlungen oder Plänen zu kommenden Sanierungen.
  • Rücklagen: Falls vorhanden, informieren Sie sich über Rücklagen für größere Instandhaltungsmaßnahmen.

Tipps zur Erstbesichtigung

  • Dokumentieren Sie alle Beobachtungen: Notieren Sie auffällige Punkte und machen Sie, falls erlaubt, Fotos, um die besichtigten Häuser später vergleichen zu können.
  • Fragen Sie gezielt nach: Bitten Sie den Verkäufer oder Makler um Informationen zu durchgeführten oder geplanten Renovierungsmaßnahmen.
  • Beratung durch einen Fachmann: Wenn das Haus in die engere Wahl kommt, kann eine genauere Untersuchung durch einen Bausachverständigen helfen, potenzielle Mängel und versteckte Schäden zu erkennen.

Diese Checkliste gibt Ihnen die Möglichkeit, den Zustand eines Hauses aus den Jahren 2000–2010 einzuschätzen. Eine professionelle Begutachtung empfiehlt sich dennoch, um eine sichere Kaufentscheidung treffen zu können.