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Die umfassende Sanierung der Elektroinstallation eines Bestandsbaus aus den 70er- oder 80er-Jahren, der zukünftig eine Wärmepumpe, Photovoltaikanlage (PV), E-Mobilität und Smart-Home-Systeme integrieren soll, erfordert eine sorgfältige Planung und Umsetzung, um den modernen Anforderungen gerecht zu werden. Ein solches E-Sanierungspaket beinhaltet zahlreiche technische Maßnahmen und Schutzvorkehrungen. Hier ist ein Überblick über die erforderlichen Arbeiten und eine grobe Kostenschätzung:
1. Bestandsaufnahme und Planung
- Elektroprüfung und Planung: Eine detaillierte Bestandsaufnahme des Zustands der bestehenden Elektroinstallation ist der erste Schritt. Dies umfasst die Bewertung der Leitungen, Sicherungen, Erdung und der allgemeinen Kapazität des Hausanschlusses. Auf dieser Grundlage wird ein Sanierungskonzept erstellt, das die zukünftigen Anforderungen der verschiedenen Systeme berücksichtigt.
- Planung des Netzanschlusses: Da der Gesamtstrombedarf durch die Wärmepumpe, die Ladestation für Elektrofahrzeuge, die Photovoltaikanlage und das Smart-Home-System erheblich steigt, ist möglicherweise eine Erweiterung des Hausanschlusses oder ein Upgrade des bestehenden Hausanschlusses auf eine höhere Leistung erforderlich.
Kosten:
- Elektroprüfung und Planung: ca. 500–1.500 € (abhängig vom Umfang und der Größe des Gebäudes)
2. Erneuerung des Sicherungskastens
- Neuer Verteilerkasten mit modernen Sicherungen: Ein Sicherungskasten aus den 70er/80er-Jahren ist veraltet und für die Aufnahme moderner Schutzeinrichtungen (z. B. FI-Schalter, Überspannungsschutz) nicht ausreichend. Ein moderner Hauptverteilerkasten mit genügend Platz für die neuen Stromkreise, Schutzschalter und Zähler muss installiert werden.
- Leitungsschutzschalter und FI-Schalter (Typ A oder Typ B): Jede der größeren Verbrauchergruppen (Wärmepumpe, Ladestation, PV-Anlage) muss eigene Leitungsschutzschalter und FI-Schutzschalter erhalten, um die Sicherheit zu gewährleisten.
Kosten:
- Neuer Sicherungskasten (inkl. FI-Schalter und Leitungsschutz): ca. 1.500–3.000 €
3. Neue Verkabelung und Verteilung
- Erneuerung der Leitungen: Die bestehenden Kabel und Leitungen in einem Gebäude aus den 70er/80er-Jahren sind oft nicht für den höheren Strombedarf moderner Systeme ausgelegt. Es wird notwendig sein, die Leitungen zu verstärken (größere Querschnitte, z. B. 6 mm² bis 10 mm² für die Wärmepumpe und die Ladestation). Je nach Zustand der alten Verkabelung könnte eine vollständige Neuverkabelung erforderlich sein.
- Zusätzliche Stromkreise: Um die neuen Geräte wie die Wärmepumpe, die Ladestation für Elektroautos und das Smart-Home-System effizient betreiben zu können, werden zusätzliche dedizierte Stromkreise eingerichtet.
Kosten:
- Verkabelung und Installation zusätzlicher Stromkreise: ca. 5.000–10.000 € (je nach Größe des Hauses und Anzahl der Verbraucher)
4. Wärmepumpe
- Eigener Stromkreis: Die Wärmepumpe benötigt einen eigenen Stromkreis und muss oft mit einem Drehstromanschluss betrieben werden. In Verbindung mit einem Smart-Home-System kann die Wärmepumpe intelligent gesteuert werden, um den Energieverbrauch zu optimieren.
- Steuerung und Integration in Smart-Home: Die Wärmepumpe sollte in das Lastmanagement integriert werden, um Überschüsse der Photovoltaikanlage zu nutzen.
Kosten:
- Installation des Stromkreises und Integration ins Lastmanagement: ca. 1.500–3.500 €
5. Photovoltaikanlage (PV-Anlage)
- Installation der PV-Anlage: Eine Photovoltaikanlage mit Wechselrichtern und Batteriespeicher (optional) sollte fachgerecht an das Hausnetz angeschlossen werden. Auch hier ist ein eigener Stromkreis erforderlich, ebenso wie ein Überspannungsschutz, um die empfindlichen Geräte (z. B. Wechselrichter) zu schützen.
- Wechselrichter und Einspeisung: Der Wechselrichter wandelt den Gleichstrom der PV-Module in Wechselstrom um und ermöglicht die Einspeisung ins Hausnetz oder ins öffentliche Netz. Je nach Größe der Anlage (z. B. 5 kWp bis 10 kWp) sind die Anforderungen an den Anschluss unterschiedlich.
- Batteriespeicher: Wenn ein Batteriespeicher vorgesehen ist, um überschüssigen Strom zu speichern, sollte dieser in die Elektroinstallation integriert werden, sodass er optimal mit der PV-Anlage und den Verbrauchern im Haus (z. B. Wärmepumpe) zusammenarbeitet.
Kosten:
- PV-Anlage (ca. 5–10 kWp): 7.000–15.000 €
- Batteriespeicher: 5.000–10.000 €
- Installation: ca. 1.000–2.500 €
6. E-Mobilität (Ladestation für Elektroauto)
- Ladestation: Eine Ladestation (Wallbox) für Elektrofahrzeuge benötigt einen eigenen, leistungsstarken Stromkreis, idealerweise mit einem Drehstromanschluss (400 V), um höhere Ladeleistungen zu ermöglichen (11 kW oder 22 kW). Der FI-Schutzschalter Typ B oder Typ A EV ist notwendig, um vor Gleichfehlerströmen zu schützen.
- Lastmanagement: Bei hoher Leistung und gleichzeitiger Nutzung mehrerer Verbraucher im Haus sollte ein Lastmanagementsystem installiert werden, um sicherzustellen, dass die Stromversorgung stabil bleibt und keine Überlastungen auftreten.
Kosten:
- Wallbox (11 kW oder 22 kW): ca. 800–2.000 €
- Installation des Stromkreises: ca. 1.000–2.500 €
7. Smart-Home-System
- Steuerungseinheit und Sensoren: Die Integration eines Smart-Home-Systems umfasst die Installation einer zentralen Steuerungseinheit (z. B. KNX, Homematic, Loxone) und die entsprechende Verkabelung für Licht, Heizung, Sicherheitssysteme und die Integration der neuen Verbraucher (Wärmepumpe, PV-Anlage, Ladestation).
- Automatisierung und Vernetzung: Ein Smart-Home-System ermöglicht die Vernetzung der verschiedenen Verbraucher und deren Steuerung über mobile Geräte oder automatisierte Szenarien. Es kann Energieflüsse optimieren, um den selbst produzierten Solarstrom effizient zu nutzen, z. B. durch zeitgesteuertes Laden des Elektroautos oder den Betrieb der Wärmepumpe.
Kosten:
- Smart-Home-System (inkl. Steuerung und Sensoren): ca. 2.000–8.000 € (je nach System und Umfang der Vernetzung)
8. Überspannungsschutz und Brandschutz
- Überspannungsschutz: Für alle empfindlichen Komponenten wie die PV-Anlage, die Wärmepumpe und die Ladestation ist der Einbau eines Überspannungsschutzes unabdingbar. Dieser sollte in der Hauptverteilung installiert werden, um die gesamte Installation zu schützen.
- Brandschutz: Besonders in Altbauten muss der Brandschutz beachtet werden, insbesondere bei der Installation leistungsstarker Verbraucher wie der Wärmepumpe und der Ladestation.
Kosten:
- Überspannungsschutz: ca. 500–1.500 €
Gesamtkostenübersicht:
| Maßnahme | Kosten (ca.) |
|---|---|
| Elektroprüfung und Planung | 500–1.500 € |
| Neuer Sicherungskasten | 1.500–3.000 € |
| Neue Verkabelung | 5.000–10.000 € |
| Wärmepumpenanschluss | 1.500–3.500 € |
| Photovoltaikanlage (inkl. Speicher) | 13.000–25.000 € |
| Ladestation für E-Mobilität | 1.800–4.500 € |
| Smart-Home-System | 2.000–8.000 € |
| Überspannungsschutz | 500–1.500 € |
Gesamtkosten (grober Überblick):
Je nach Umfang und Auswahl der Systeme können die Gesamtkosten für die Sanierung der Elektroinstallation zwischen 25.000 € und 55.000 € liegen. Die Investition hängt stark von den gewünschten Leistungen, der Größe der PV-Anlage, dem Smart-Home-System und der vorhandenen Infrastruktur des Gebäudes ab.
Fazit:
Ein umfassendes E-Sanierungspaket für einen Bestandsbau aus den 70er/80er-Jahren, das Wärmepumpe, Photovoltaik, E-Mobilität und Smart-Home unterstützt, erfordert eine umfangreiche Erneuerung der Elektroinstallation.