Passt das vom Unternehmer angebotene Baugrundstück zu meinen Vorstellungen ?

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Um herauszufinden, ob das vom Bauunternehmer angebotene Grundstück zu deinen Vorstellungen passt, gibt es mehrere Aspekte, die du prüfen solltest. Hier sind die wichtigsten Faktoren, die du berücksichtigen kannst, um zu einer fundierten Entscheidung zu kommen:

1. Lage des Grundstücks

  • Regionale Anbindung: Ist das Grundstück gut an wichtige Verkehrsanbindungen (Autobahn, ÖPNV) angeschlossen? Prüfe auch die Nähe zu Arbeitsplätzen, Schulen, Kindergärten, Einkaufszentren, Ärzten oder Freizeitangeboten.
  • Umgebung und Nachbarschaft: Ist die Umgebung eher ländlich oder städtisch? Passt die Art der Bebauung (z.B. Einfamilienhäuser, Reihenhäuser) zu deinen Wünschen? Prüfe auch die geplante Entwicklung der Nachbarschaft (z.B. Neubaugebiete, Gewerbegebiete).
  • Zukunftsentwicklung: Informiere dich bei der Gemeinde oder Stadt über die zukünftige Entwicklung der Gegend. Gibt es Pläne für den Bau von Straßen, Gewerbegebieten oder andere Großprojekte, die die Ruhe oder den Wert des Grundstücks beeinflussen könnten?

2. Größe und Form des Grundstücks

  • Grundstücksgröße: Ist das Grundstück groß genug für dein geplantes Haus und eventuell einen Garten, Garage oder Stellplatz? Wenn du ein bestimmtes Hausmodell im Kopf hast, solltest du sicherstellen, dass es auf das Grundstück passt.
  • Grundstücksform: Die Form des Grundstücks beeinflusst die Bebauungsmöglichkeiten. Ein sehr schmales oder verwinkeltes Grundstück kann die Bauplanung einschränken. Prüfe, ob die Form zu deinen Vorstellungen passt.
  • Flächenaufteilung: Überlege, wie du den Garten und andere Außenbereiche nutzen möchtest. Ein rechteckiges oder quadratisches Grundstück bietet oft mehr Flexibilität bei der Planung als ein unregelmäßig geformtes Grundstück.

3. Topographie und Bodenbeschaffenheit

  • Geländebeschaffenheit: Ist das Grundstück eben oder liegt es auf einer Steigung? Ein Hanggrundstück kann besondere Bauanforderungen mit sich bringen, etwa für die Gründung oder für Stützmauern.
  • Bodenbeschaffenheit: Lass die Bodenqualität prüfen, um sicherzustellen, dass das Grundstück keine Probleme wie Altlasten, kontaminierten Boden oder schwierige Bodenverhältnisse aufweist, die den Bau verteuern könnten (z.B. bei Lehmboden, hoher Grundwasserspiegel).
  • Kosten für Erschließung und Erdarbeiten: Wenn das Grundstück besondere Anforderungen an Erdarbeiten stellt (z.B. bei einem Hanggrundstück), können zusätzliche Kosten für Aushub, Fundamentierung oder eine besondere Gründung entstehen.

4. Bebauungsplan und Bauvorschriften

  • Bebauungsplan: Prüfe den Bebauungsplan der Gemeinde oder Stadt. Dieser legt fest, was auf dem Grundstück gebaut werden darf (z.B. Geschosszahl, Dachform, Bauweise). Wenn du ein bestimmtes Hausmodell im Kopf hast, stelle sicher, dass es den Vorschriften entspricht.
  • Baulinie und Abstandsflächen: Der Bebauungsplan kann auch vorschreiben, wie nah du an den Grundstücksgrenzen bauen darfst. Diese Abstandsflächen beeinflussen die Größe und Platzierung deines Hauses.
  • Genehmigungsfähigkeit: Falls es keinen Bebauungsplan gibt, prüfe bei der Bauverwaltung, ob das gewünschte Haus genehmigungsfähig ist (nach §34 BauGB: „Einfügen in die Umgebung“).

5. Erschließung des Grundstücks

  • Erschließungskosten: Ist das Grundstück bereits erschlossen, d.h. sind alle notwendigen Versorgungsleitungen (Wasser, Abwasser, Strom, Gas, Internet) vorhanden? Wenn nicht, solltest du die Erschließungskosten und den Zeitaufwand dafür kalkulieren.
  • Zufahrtsmöglichkeiten: Ist das Grundstück gut erreichbar, und gibt es eine Anbindung an eine öffentliche Straße? Auch Fragen zur Breite und Beschaffenheit der Zufahrt sollten berücksichtigt werden.
  • Entwässerung: Achte darauf, ob eine geordnete Regen- und Abwasserentsorgung möglich ist und welche Kosten für die Anschlüsse anfallen könnten.

6. Lage und Himmelsrichtung

  • Ausrichtung des Grundstücks: Die Himmelsrichtung spielt eine große Rolle für die Belichtung des Hauses und der Außenbereiche. Überlege, ob du eine Ausrichtung nach Süden für mehr Sonnenlicht wünschst oder ob du eher schattigere Bereiche bevorzugst.
  • Lärmbelastung und Umwelteinflüsse: Prüfe, ob das Grundstück in der Nähe von stark befahrenen Straßen, Bahngleisen oder Industriegebieten liegt, die Lärm und Emissionen verursachen könnten. Auch die Nähe zu Flugschneisen kann relevant sein.

7. Naturnahe Umgebung

  • Grünflächen und Naherholung: Befindet sich das Grundstück in der Nähe von Parks, Wäldern oder anderen Naturflächen, die dir wichtig sind? Diese Umgebung kann den Wohnkomfort und die Lebensqualität erheblich beeinflussen.
  • Wasserlagen: Liegt das Grundstück in der Nähe eines Gewässers oder in einem Hochwasserrisikogebiet? In Hochwassergebieten solltest du auf Hochwasserschutz und eventuelle Auflagen für die Bauweise achten.

8. Kosten und Finanzierbarkeit

  • Grundstückspreis: Passt der Preis des Grundstücks in dein Budget? Ein teureres Grundstück kann dein Gesamtbudget stark beanspruchen, sodass weniger Spielraum für den Bau des Hauses bleibt.
  • Nebenkosten: Berücksichtige neben dem Grundstückspreis auch die Grunderwerbsteuer, Notarkosten und mögliche Erschließungs- und Anschlusskosten.
  • Wertsteigerung: Prüfe die Wertentwicklung des Grundstücks in den letzten Jahren. Grundstücke in aufstrebenden Gegenden können eine gute Wertanlage sein, während sich der Wert in weniger attraktiven Gegenden nur langsam entwickelt.

9. Emotionale und persönliche Aspekte

  • Bauchgefühl: Selbst wenn alle technischen und rechtlichen Aspekte passen, ist es wichtig, dass du dich mit dem Grundstück wohlfühlst. Besuche es mehrmals zu unterschiedlichen Tageszeiten, um ein Gefühl für die Umgebung zu bekommen.
  • Vorstellungen und Träume: Passt das Grundstück zu deiner Lebensplanung? Wenn du langfristig planst, solltest du sicherstellen, dass du dort alle deine Pläne (z.B. Familienzuwachs, Hobbyflächen, Garten) umsetzen kannst.

Fazit:

Ein Baugrundstück muss nicht nur den technischen und rechtlichen Anforderungen entsprechen, sondern auch deinen persönlichen Vorstellungen gerecht werden. Prüfe daher sorgfältig alle Aspekte wie Lage, Erschließung, Bebauungsmöglichkeiten und Kosten. Falls du unsicher bist, kann es sinnvoll sein, einen unabhängigen Experten (z.B. Architekt, Baugutachter) hinzuzuziehen, der das Grundstück mit dir gemeinsam begutachtet.