Wann sollten in einem Bestandsbau FI-Schutzschalter nachgerüstet werden?

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FI-Schutzschalter (Fehlerstrom-Schutzschalter) sollten in einem Bestandsbau möglichst frühzeitig nachgerüstet werden, da sie eine wichtige Schutzmaßnahme gegen elektrische Schläge und Fehlströme darstellen. In vielen älteren Gebäuden aus den 70er- oder 80er-Jahren fehlen diese Schutzschalter oder sie sind nur in bestimmten Stromkreisen vorhanden. Hier sind die wichtigsten Situationen, in denen eine Nachrüstung eines FI-Schutzschalters dringend empfohlen oder sogar vorgeschrieben ist:

1. Fehlende FI-Schutzschalter

  • In älteren Installationen: In Gebäuden, die vor den 1980er-Jahren gebaut wurden, ist es üblich, dass keine oder nur wenige FI-Schutzschalter vorhanden sind. Wenn in einem Bestandsbau noch keine FI-Schutzschalter vorhanden sind, sollte dies ein dringender Anlass zur Nachrüstung sein. FI-Schutzschalter bieten einen lebensrettenden Schutz vor Stromschlägen, indem sie den Stromkreis innerhalb von Millisekunden unterbrechen, wenn sie einen Fehlerstrom erkennen.

Empfehlung: Bei fehlenden FI-Schaltern sollte unbedingt ein Nachrüsten in Betracht gezogen werden, um die elektrische Sicherheit im gesamten Gebäude zu erhöhen.

2. Modernisierung oder Erweiterung der Elektroinstallation

  • Umbauten und Renovierungen: Wenn im Rahmen einer Renovierung oder Modernisierung der Elektroinstallation Änderungen vorgenommen werden (z. B. neue Steckdosen, Lichtschalter oder zusätzliche Stromkreise), sollten dabei immer FI-Schutzschalter nachgerüstet werden. Nach den aktuellen DIN VDE 0100-Normen ist es bei Neuinstallationen vorgeschrieben, in allen Steckdosenstromkreisen FI-Schutzschalter zu installieren.
  • Erweiterung um neue Verbraucher: Wenn neue elektrische Verbraucher wie eine Wärmepumpe, eine Ladestation für Elektroautos oder Photovoltaikanlagen installiert werden, müssen diese durch einen eigenen FI-Schutzschalter abgesichert werden, insbesondere da diese Geräte in der Regel über Drehstrom betrieben werden und höhere Lasten erzeugen.

Empfehlung: Immer wenn eine Modernisierung der Elektroinstallation erfolgt, sollten FI-Schutzschalter für die betroffenen Stromkreise nachgerüstet werden.

3. Feuchträume und Außenbereiche

  • Bäder und Küchen: In Feuchträumen wie Badezimmern und Küchen ist der Einsatz von FI-Schutzschaltern zwingend erforderlich, da hier die Gefahr eines Stromschlags durch Wasser besonders hoch ist. Wenn in diesen Bereichen keine FI-Schutzschalter installiert sind, besteht ein erhöhtes Risiko. Alle Steckdosen in Feuchträumen müssen nach den aktuellen Vorschriften durch FI-Schutzschalter (30 mA) abgesichert werden.
  • Außenbereiche: Elektrische Installationen im Außenbereich, wie Gartensteckdosen, Beleuchtung oder Anschlüsse für elektrische Geräte, sollten immer durch FI-Schutzschalter gesichert werden. Fehlen diese in einem Bestandsbau, ist eine Nachrüstung dringend erforderlich, da Außeninstallationen besonderen Umwelteinflüssen wie Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen ausgesetzt sind.

Empfehlung: In allen Feuchträumen und Außenbereichen sollten FI-Schutzschalter umgehend nachgerüstet werden, um die Sicherheit der Elektroinstallation zu gewährleisten.

4. Steigerung der allgemeinen Sicherheit

  • Schutz vor Kurzschlüssen und Fehlerströmen: Auch wenn bisher keine Zwischenfälle aufgetreten sind, kann eine veraltete Elektroinstallation über die Jahre Mängel entwickeln, die schwer zu erkennen sind. FI-Schutzschalter sind eine zusätzliche Schutzmaßnahme, die nicht nur bei Stromschlägen, sondern auch bei Fehlerströmen durch defekte Geräte, brüchige Leitungen oder unsachgemäße Installationen schützt. Sie verhindern Brände und schwere Personenschäden.
  • Personenschutz: Ein FI-Schutzschalter schützt nicht nur vor direkten Stromschlägen, sondern auch vor indirekten Berührungen, z. B. durch den Kontakt mit metallischen Gehäusen, die unter Spannung stehen könnten. Ein Nachrüsten in Bereichen wie Wohnzimmern, Schlafzimmern, Arbeitsräumen oder Kellern ist daher eine sinnvolle Sicherheitsmaßnahme.

Empfehlung: FI-Schutzschalter sollten in allen relevanten Bereichen eines Gebäudes nachgerüstet werden, um einen umfassenden Personen- und Brandschutz zu gewährleisten.

5. Nachrüstung bei erhöhtem Stromverbrauch

  • Hohe Belastungen durch neue Geräte: Wenn im Laufe der Jahre immer mehr elektrische Geräte angeschafft werden, kann dies zu einer höheren Belastung der Stromkreise führen. Geräte wie Waschmaschinen, Geschirrspüler, Heizsysteme, Trockner oder Computer können zu Überlastungen führen. In solchen Fällen sollte ein FI-Schutzschalter installiert werden, um zusätzliche Sicherheit zu gewährleisten.
  • Smart-Home-Systeme und neue Technologien: Bei der Einführung von Smart-Home-Technologien, Photovoltaikanlagen oder Elektromobilität sollten ebenfalls FI-Schutzschalter nachgerüstet werden, da diese Geräte und Systeme nicht nur höhere Ströme benötigen, sondern oft auch komplexere Schaltvorgänge beinhalten, bei denen Fehlerströme entstehen können.

Empfehlung: Immer wenn der Stromverbrauch durch neue Geräte oder Technologien steigt, sollten FI-Schutzschalter nachgerüstet werden, um die Sicherheit der gesamten Installation zu erhöhen.

6. Versicherungstechnische und rechtliche Anforderungen

  • Aktuelle Vorschriften einhalten: Nach den geltenden DIN VDE-Normen sind FI-Schutzschalter in vielen Bereichen gesetzlich vorgeschrieben. Insbesondere bei der Neuinstallation von Steckdosen oder der Erweiterung der Elektroanlage ist der Einsatz von FI-Schutzschaltern obligatorisch. Werden diese Vorschriften bei einer Nachrüstung oder Modernisierung nicht eingehalten, kann dies zu versicherungsrechtlichen Problemen führen, insbesondere im Schadensfall (z. B. bei Bränden durch fehlerhafte Elektroinstallationen).
  • Verkauf oder Vermietung von Immobilien: Bei der Vermietung oder dem Verkauf eines Bestandsbaus kann es sinnvoll sein, den Nachweis über eine sichere Elektroinstallation zu erbringen. Eine Nachrüstung von FI-Schutzschaltern nach den aktuellen Standards verbessert die Sicherheit des Gebäudes und erhöht den Wert der Immobilie.

Empfehlung: Bei einer Nachrüstung oder Modernisierung sollten die aktuellen Vorschriften für FI-Schutzschalter beachtet werden, um rechtliche und versicherungstechnische Probleme zu vermeiden.


Fazit:

FI-Schutzschalter sollten in einem Bestandsbau dann nachgerüstet werden, wenn:

  1. Keine FI-Schutzschalter vorhanden sind.
  2. Umbauten oder Modernisierungen der Elektroinstallation vorgenommen werden.
  3. Feuchträume oder Außenbereiche unzureichend abgesichert sind.
  4. Neue Geräte oder Technologien den Stromverbrauch erhöhen.
  5. Es versicherungsrechtliche und gesetzliche Anforderungen gibt.

Insgesamt sollte eine Nachrüstung von FI-Schutzschaltern möglichst umfassend durchgeführt werden, um die Sicherheit von Personen und Geräten in einem Bestandsbau zu gewährleisten.