www.baukosten.com > Bestandsbau-Projekt > Prüfungen und Abnahmen > Erfolgte Sanierungen
Die Abdichtung von Kellerwänden, Bodenplatte und Außenwänden ist entscheidend, um Feuchtigkeitsschäden, Schimmelbildung und langfristige Bauschäden zu vermeiden. Fehlerhafte Abdichtungen können die Substanz des Gebäudes erheblich beeinträchtigen. Daher ist eine gründliche Prüfung der Abdichtungsmaßnahmen sowohl während der Bauphase als auch nach Abschluss der Arbeiten unerlässlich.
Hier erfahren Bauherren, worauf sie bei der Prüfung achten sollten und welche Schritte notwendig sind, um die Abdichtungsarbeiten zu kontrollieren.
1. Die richtige Abdichtungstechnik
Je nach Feuchtigkeitsbelastung und Bauart des Gebäudes werden unterschiedliche Abdichtungstechniken eingesetzt. Bauherren sollten prüfen (lassen), ob die richtige Technik angewandt wurde:
- Bodenfeuchtigkeit und nicht drückendes Wasser:
- Abdichtungen aus Bitumenbahnen oder kunststoffmodifizierten Bitumendickbeschichtungen (KMB).
- Drückendes Wasser:
- Abdichtungen mit mehrlagigen Schweißbahnen oder mineralischen Dichtungsschlämmen.
- Kapillarfeuchtigkeit:
- Horizontalsperren, um das Aufsteigen von Feuchtigkeit zu verhindern.
2. Planung und Vorgaben prüfen
Bereits vor der Ausführung der Abdichtungsarbeiten sollten Bauherren sicherstellen, dass die Maßnahmen gemäß geltender Normen und Standards geplant wurden:
- DIN 18533: Diese Norm regelt Abdichtungen von erdberührten Bauteilen gegen Bodenfeuchtigkeit und Wasser.
- Planungsunterlagen: Kontrollieren, ob die Planung alle erdberührten Flächen und Übergangsbereiche berücksichtigt.
- Lastfälle: Überprüfung der Baugrunduntersuchung, um den richtigen Feuchtigkeitslastfall (z. B. drückendes Wasser) festzulegen.
3. Wichtige Prüfbereiche bei Abdichtungen
a) Abdichtung der Kellerwände
- Prüfpunkte:
- Lückenlose Abdichtung: Kontrollieren, ob die Abdichtung vollständig aufgebracht wurde, ohne Unterbrechungen oder Lücken.
- Anschlussdetails: Besonders Übergänge zu Bodenplatte, Wanddurchführungen (z. B. Rohre, Kabel) und Gebäudeecken sind anfällig für Undichtigkeiten. Diese müssen sorgfältig abgedichtet sein.
- Materialstärke: Die Dicke der Abdichtung (z. B. Bitumenschichten) sollte den Vorgaben entsprechen.
- Schutzschichten: Vor dem Wiederverfüllen des Erdreichs müssen die Abdichtungen durch geeignete Schutzschichten (z. B. Schutzbahnen oder Perimeterdämmung) vor Beschädigung gesichert werden.
b) Abdichtung der Bodenplatte
- Prüfpunkte:
- Übergang zur Wand: Die Abdichtung zwischen Bodenplatte und Kellerwand muss nahtlos erfolgen. Ein häufiger Fehler sind schlecht ausgeführte Übergänge.
- Aufsteigende Feuchtigkeit: Kontrolle, ob eine Horizontalsperre eingebaut wurde, um Feuchtigkeit aus dem Erdreich zu blockieren.
- Dichtigkeit: Die Abdichtung der Bodenplatte muss vor Aufbauten (z. B. Estrich) auf Löcher oder Beschädigungen geprüft werden.
- Dampfdichtigkeit: Bei spezifischen Bauvorhaben (z. B. bei Radonbelastung) sollte geprüft werden, ob zusätzliche dampfdichte Schichten integriert wurden.
c) Abdichtung der Außenwände
- Prüfpunkte:
- Witterungsschutz: Oberirdische Abdichtungen müssen Regen und Schlagwasser zuverlässig abweisen.
- Sockelbereich: Der Übergang zwischen Kellerabdichtung und der Fassade ist besonders anfällig und muss sorgfältig ausgeführt werden. Sockelabdichtungen sollten Spritzwasser standhalten.
- Risse: Bei der Prüfung auf sichtbare Risse ist zu beachten, dass kleinste Risse die Abdichtungswirkung erheblich beeinträchtigen können.
- Putz- und Beschichtungssysteme: Bei verkleideten Wänden sollte die Funktionsfähigkeit von Putz oder Fassadenelementen geprüft werden.
4. Kontrollmethoden
a) Sichtprüfung
- Überprüfen Sie alle erdberührten Bauteile auf Lücken, Risse oder unsaubere Verarbeitungen.
- Stellen Sie sicher, dass Schutzschichten aufgebracht wurden und die Abdichtung unbeschädigt ist.
b) Dichtheitsprüfung
- Wasserdrucktest: Bei drückendem Wasser kann ein Wasserdrucktest durchgeführt werden, um die Dichtheit der Abdichtung zu überprüfen.
- Thermografie: Mit einer Wärmebildkamera lassen sich Feuchtigkeitsprobleme und Kältebrücken erkennen, die auf mangelhafte Abdichtung hinweisen.
c) Materialprüfungen
- Kontrollieren Sie, ob die verwendeten Materialien den vereinbarten Spezifikationen entsprechen (z. B. Dicke und Eigenschaften der Bitumenschichten).
- Prüfen Sie, ob die Abdichtungsmaterialien korrekt verarbeitet wurden (z. B. durch Schweißnähte oder vollflächige Verklebung).
5. Einbindung von Experten
- Sachverständige für Bauwerksabdichtungen: Ziehen Sie Fachleute hinzu, die die Qualität der Abdichtungsarbeiten beurteilen können.
- Bauleiter oder Architekten: Diese Experten können während der Bauphase regelmäßige Kontrollen durchführen und die korrekte Ausführung der Arbeiten überwachen.
- Geotechniker: Bei drückendem Wasser oder schwierigen Bodenverhältnissen kann ein Geotechniker sicherstellen, dass die Abdichtung den Anforderungen des Baugrundes entspricht.
6. Dokumentation der Arbeiten
- Fotodokumentation: Halten Sie jede Phase der Abdichtungsarbeiten fotografisch fest, insbesondere vor dem Verfüllen des Erdreichs.
- Protokolle: Lassen Sie von den Handwerkern oder Bauleitern schriftliche Protokolle über die einzelnen Arbeitsschritte erstellen.
- Materialnachweise: Fordern Sie Zertifikate und Produktdatenblätter der verwendeten Abdichtungsmaterialien an.
7. Häufige Fehler und wie sie vermieden werden können
- Unzureichende Planung: Stellen Sie sicher, dass die Abdichtungsmaßnahmen auf einer detaillierten Baugrunduntersuchung basieren.
- Fehlerhafte Verarbeitung: Achten Sie darauf, dass die Abdichtungen lückenlos, in ausreichender Dicke und mit den richtigen Materialien ausgeführt werden.
- Verzicht auf Schutzmaßnahmen: Ohne Schutzschichten können Abdichtungen während der Bauarbeiten beschädigt werden.
Fazit
Die Abdichtung von Kellerwänden, Bodenplatte und Außenwänden muss sorgfältig geplant, ausgeführt und geprüft werden. Bauherren sollten die Arbeiten regelmäßig überwachen oder Experten wie Bauleiter, Sachverständige oder Geotechniker hinzuziehen. Durch gründliche Kontrollen und eine lückenlose Dokumentation können Sie sicherstellen, dass Ihr Gebäude langfristig vor Feuchtigkeit und Schäden geschützt bleibt.