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Eine WDVS-Fassade (Wärmedämmverbundsystem) ist ein mehrschichtiger Aufbau an der Außenwand eines Gebäudes, der zur Verbesserung der Wärmedämmung und Energieeffizienz dient. Dieses System wird direkt auf die Außenwand aufgebracht und schützt das Gebäude vor Wärmeverlusten im Winter und Überhitzung im Sommer. Es ist besonders in der energetischen Sanierung von Bestandsgebäuden und bei Neubauten weit verbreitet. Hier ist eine detaillierte Beschreibung des Aufbaus und der Funktionsweise einer WDVS-Fassade:
1. Aufbau einer WDVS-Fassade
a) Vorbereitung des Untergrunds
- Untergrundprüfung:
- Vor Beginn der Arbeiten wird die Fassade auf ihre Eignung für die Anbringung des WDVS geprüft. Der Untergrund muss tragfähig, sauber, trocken und eben sein. Risse, Abplatzungen oder Unebenheiten müssen vor der Montage ausgebessert werden.
- Grundierung:
- Abhängig vom Zustand und der Beschaffenheit des Untergrunds wird eine Grundierung aufgetragen, um die Haftung des Klebers und der Dämmplatten zu verbessern. Diese Grundierung wird auf die gesamte Fassade aufgebracht und sollte gut trocknen, bevor die nächsten Arbeitsschritte erfolgen.
b) Anbringen der Dämmschicht
- Dämmplatten befestigen:
- Die Dämmschicht besteht aus Dämmplatten, die auf die Fassade geklebt und/oder gedübelt werden. Gängige Materialien für die Dämmplatten sind:
- Polystyrol (EPS, XPS): Häufig verwendetes, kostengünstiges Material mit guter Dämmleistung.
- Mineralwolle: Bietet zusätzlich guten Brandschutz und Schallschutz.
- Polyurethan (PUR): Höhere Dämmleistung, daher kann die Plattenstärke dünner ausfallen.
- Holzfaserplatten: Nachhaltiges, ökologisches Dämmmaterial mit guten Dämmeigenschaften.
- Die Dämmplatten werden im sogenannten „Wilder-Verband“ (versetzte Stöße) verlegt, um Wärmebrücken zu minimieren. Sie werden mit einem geeigneten Klebemörtel auf die Wand geklebt und zusätzlich mechanisch mit Dübeln befestigt, um eine sichere Verbindung zu gewährleisten.
- Die Dämmschicht besteht aus Dämmplatten, die auf die Fassade geklebt und/oder gedübelt werden. Gängige Materialien für die Dämmplatten sind:
- Stöße und Übergänge:
- Die Übergänge zwischen den Dämmplatten müssen exakt zusammengefügt werden, ohne Lücken, um Wärmebrücken und Kondensationsrisiken zu vermeiden. Eventuelle Lücken werden mit Dämmstoffresten oder Schaum geschlossen.
c) Armierung und Grundputz
- Armierungsschicht:
- Auf die Dämmplatten wird eine Armierungsschicht aufgebracht, die das System stabilisiert und Risse im Oberputz verhindert. Diese Schicht besteht aus einem speziellen Armierungsmörtel, in den ein Armierungsgewebe (Glasfasergewebe) eingebettet wird.
- Das Gewebe wird überlappend verlegt und in den frischen Mörtel eingearbeitet. Es muss so angebracht werden, dass es vollständig in der Mörtelschicht eingebettet ist, um seine Funktion als Rissschutz voll zu erfüllen.
- Eckschutzprofile und Kantenschutz:
- An den Ecken des Gebäudes sowie an Fenster- und Türlaibungen werden spezielle Eckschutzprofile eingebettet, um diese Bereiche vor mechanischen Beschädigungen zu schützen. Diese Profile bestehen meist aus Aluminium oder Kunststoff und werden ebenfalls in den Armierungsmörtel eingebettet.
d) Oberputz und Endbeschichtung
- Auftragen des Oberputzes:
- Nachdem die Armierungsschicht ausgehärtet ist, wird der Oberputz aufgetragen. Dieser Putz bildet die sichtbare Oberfläche der Fassade und kann in verschiedenen Strukturen und Farben ausgeführt werden. Typische Putzarten sind:
- Mineralischer Putz: Langlebig und wetterbeständig, mit guter Wasserdampfdurchlässigkeit.
- Kunstharzputz: Flexibel, rissbeständig und widerstandsfähig gegen Verschmutzungen.
- Silikatputz: Diffusionsoffen, schmutzabweisend, besonders geeignet für den Einsatz in feuchten Umgebungen.
- Silikonharzputz: Besonders wasserabweisend und widerstandsfähig gegen Algen- und Pilzbefall.
- Der Putz wird in der gewünschten Dicke aufgetragen und je nach gewünschter Struktur geglättet, gerieben oder geworfen.
- Nachdem die Armierungsschicht ausgehärtet ist, wird der Oberputz aufgetragen. Dieser Putz bildet die sichtbare Oberfläche der Fassade und kann in verschiedenen Strukturen und Farben ausgeführt werden. Typische Putzarten sind:
- Anstrich und Imprägnierung (optional):
- Bei Bedarf kann die Fassade abschließend gestrichen oder imprägniert werden. Dies schützt die Fassade zusätzlich vor Witterungseinflüssen und verleiht ihr die endgültige Farbe und Struktur.
2. Vorteile einer WDVS-Fassade
a) Hervorragende Wärmedämmung
- Reduzierter Energieverbrauch:
- Eine WDVS-Fassade reduziert den Wärmeverlust durch die Außenwände erheblich. Dies führt zu einer deutlichen Senkung der Heizkosten im Winter und einem besseren Schutz vor sommerlicher Hitze.
- Einhaltung der Energieeinsparverordnung (EnEV/GEG):
- Ein richtig dimensioniertes WDVS trägt dazu bei, die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) zu erfüllen, das die Energieeffizienz von Gebäuden regelt.
b) Verbesserter Wohnkomfort
- Angenehmes Raumklima:
- Durch die Dämmung wird ein ausgeglicheneres Raumklima erreicht, da die Wände im Winter warm und im Sommer kühl bleiben. Dies erhöht den Wohnkomfort erheblich.
- Vermeidung von Schimmelbildung:
- WDVS-Systeme tragen dazu bei, die Innenwandtemperatur zu erhöhen, wodurch das Risiko von Kondenswasserbildung und damit verbundener Schimmelbildung reduziert wird.
c) Schutz der Bausubstanz
- Längere Lebensdauer des Gebäudes:
- Das WDVS schützt die tragende Bausubstanz vor Witterungseinflüssen, Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen, was die Lebensdauer des Gebäudes verlängert.
- Vermeidung von Wärmebrücken:
- Durch die durchgehende Dämmschicht wird das Risiko von Wärmebrücken minimiert, was zu einer gleichmäßigeren Temperaturverteilung und einer Reduzierung von Bauschäden führt.
d) Flexibilität in der Gestaltung
- Vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten:
- WDVS-Systeme bieten eine große Bandbreite an Oberflächenstrukturen und Farben, was eine individuelle Fassadengestaltung ermöglicht. Auch Kombinationen mit anderen Fassadenmaterialien wie Holz, Klinker oder Metall sind möglich.
- Einsatz in Neubau und Sanierung:
- WDVS-Fassaden können sowohl bei Neubauten als auch bei der Sanierung von Bestandsgebäuden eingesetzt werden. Sie eignen sich für fast alle Gebäudetypen und -größen.
Fazit:
Eine WDVS-Fassade ist eine effektive und vielseitige Lösung zur Verbesserung der Energieeffizienz und des Wohnkomforts eines Gebäudes. Sie bietet hervorragenden Wärmeschutz, trägt zur Reduzierung von Heizkosten bei und schützt das Gebäude vor Witterungseinflüssen. Die Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten und die Möglichkeit, das System sowohl im Neubau als auch in der Sanierung einzusetzen, machen WDVS zu einer beliebten Wahl für Bauherren und Architekten.