Welche Heizungssysteme werden in Neubauten verbaut – welche diesbezüglichen Vorschriften gibt es oder sind in nächster Zukunft zu erwarten ?

www.baukosten.com > Neubau-Projekt > Unser Baukonzept > Das wird unser Haus

Beim Bau eines Neubaus spielt die Wahl des Heizungssystems eine zentrale Rolle für die Energieeffizienz, die laufenden Kosten und den CO₂-Ausstoß. In den letzten Jahren gab es deutliche Veränderungen in der Heiztechnologie, da der Fokus zunehmend auf erneuerbare Energien und klimafreundliche Heizsysteme gelegt wird. Auch gesetzliche Vorschriften und zukünftige Regulierungen beeinflussen die Auswahl der Heizsysteme.

Hier sind die gängigsten Heizungssysteme für Neubauten und ein Überblick über die aktuellen Vorschriften und erwarteten zukünftigen Anforderungen:

1. Moderne Heizungssysteme für Neubauten

1. Wärmepumpe

Die Wärmepumpe ist eines der am häufigsten eingesetzten Heizungssysteme im Neubau, da sie besonders energieeffizient ist und auf erneuerbare Energiequellen setzt.

  • Funktionsweise: Wärmepumpen nutzen Umgebungswärme aus der Luft, dem Erdreich oder dem Grundwasser, um das Gebäude zu heizen. Sie benötigen lediglich elektrische Energie, um die Wärme zu transportieren, wobei sie viel mehr Wärme liefern, als sie Energie verbrauchen.
  • Arten von Wärmepumpen:
    • Luft-Wasser-Wärmepumpe: Nutzt Außenluft als Wärmequelle. Sie ist einfacher zu installieren, aber bei sehr kalten Temperaturen weniger effizient.
    • Erdwärmepumpe (Sole-Wasser): Nutzt die konstanten Temperaturen im Erdreich. Sie ist sehr effizient, erfordert aber eine Erdsonde oder Erdkollektoren, die im Boden verlegt werden müssen.
    • Wasser-Wasser-Wärmepumpe: Nutzt Grundwasser als Wärmequelle, was besonders effizient ist, aber nur an Standorten mit entsprechendem Grundwasserspiegel möglich.
  • Vorteile:
    • Niedriger Energieverbrauch: Wärmepumpen sind sehr effizient, besonders in Kombination mit Fußbodenheizung oder Niedrigtemperaturheizsystemen.
    • Umweltfreundlich: Da Wärmepumpen erneuerbare Energiequellen nutzen, verursachen sie weniger CO₂-Emissionen.
    • Fördermöglichkeiten: Wärmepumpen werden oft staatlich gefördert.
  • Nachteile:
    • Hohe Anschaffungskosten: Die Installationskosten sind höher als bei konventionellen Heizsystemen.
    • Wirkungsgrad bei niedrigen Temperaturen: Luft-Wasser-Wärmepumpen sind bei sehr kaltem Wetter weniger effizient.

2. Brennstoffzellenheizung

Die Brennstoffzellenheizung ist eine relativ neue Technologie, die neben der Wärme auch Strom erzeugt.

  • Funktionsweise: Eine Brennstoffzelle wandelt Erdgas oder Wasserstoff in einem chemischen Prozess in Strom und Wärme um. Der Vorteil ist, dass du neben der Heizenergie auch Eigenstrom produzierst, was den Strombedarf aus dem Netz reduziert.
  • Vorteile:
    • Effiziente Energienutzung: Da sowohl Wärme als auch Strom produziert werden, ist das System sehr effizient.
    • Stromerzeugung: Die Brennstoffzelle kann bis zu 60 % des Strombedarfs eines Einfamilienhauses decken.
  • Nachteile:
    • Hohe Anschaffungskosten: Die Technik ist derzeit noch relativ teuer.
    • Gasabhängigkeit: Der Betrieb hängt noch von Erdgas oder Wasserstoff ab.

3. Pelletheizung

Eine Pelletheizung ist eine umweltfreundliche Alternative zu Gas- oder Ölheizungen und nutzt Holzpellets als Brennstoff.

  • Funktionsweise: Holzpellets, die aus Restholz oder Sägespänen gepresst werden, werden in einem Kessel verbrannt, um Wärme zu erzeugen. Diese Wärme wird entweder direkt für die Raumheizung oder zur Erwärmung von Warmwasser genutzt.
  • Vorteile:
    • Nachwachsender Brennstoff: Holzpellets sind ein nachwachsender Rohstoff und verursachen beim Verbrennen nur so viel CO₂, wie der Baum zuvor aufgenommen hat, wodurch sie CO₂-neutral sind.
    • Förderungen: Pelletheizungen werden oft staatlich gefördert.
  • Nachteile:
    • Lagerplatz: Für die Lagerung der Pellets benötigst du einen geeigneten Vorratsraum.
    • Manuelle Befüllung: Bei kleineren Anlagen ist die Befüllung oft manuell, was zusätzlichen Aufwand bedeutet.

4. Gasheizung in Kombination mit Solarthermie

Gasheizungen sind aufgrund der hohen Effizienz und der relativ niedrigen Anschaffungskosten noch immer eine häufig genutzte Option, werden aber zunehmend mit Solarthermie kombiniert, um die Energieeffizienz zu erhöhen.

  • Funktionsweise: Eine moderne Gas-Brennwertheizung nutzt die Verbrennungswärme von Erdgas und die Abgaswärme für die Heizung und Warmwasseraufbereitung. In Kombination mit einer Solarthermieanlage, die Sonnenenergie zur Erwärmung von Wasser nutzt, kann der Gasverbrauch weiter reduziert werden.
  • Vorteile:
    • Hohe Effizienz: Brennwerttechnik und Solarthermie sind sehr effiziente Technologien.
    • Relativ günstige Anschaffungskosten: Gasheizungen sind vergleichsweise günstig und weit verbreitet.
  • Nachteile:
    • Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen: Gas ist ein fossiler Brennstoff, dessen Nutzung aufgrund von Klimaschutzzielen langfristig reduziert werden soll.
    • Preisschwankungen: Der Preis von Erdgas kann stark schwanken, was zu höheren Betriebskosten führen kann.

5. Photovoltaik mit elektrischer Wärmepumpe

Eine Photovoltaikanlage (PV-Anlage) in Kombination mit einer elektrischen Wärmepumpe ermöglicht es, den Strom für die Wärmepumpe selbst zu erzeugen.

  • Funktionsweise: Die PV-Anlage erzeugt Strom aus Sonnenenergie, der für den Betrieb der Wärmepumpe genutzt wird. Überschüssiger Strom kann gespeichert oder ins Netz eingespeist werden. So wird das Heizen mit der Wärmepumpe besonders umweltfreundlich und kostengünstig.
  • Vorteile:
    • Autarkie: Die Kombination aus eigener Stromproduktion und Wärmepumpe reduziert die Abhängigkeit vom Netzstrom.
    • Umweltfreundlich: Diese Lösung nutzt ausschließlich erneuerbare Energien.
  • Nachteile:
    • Anschaffungskosten: Eine PV-Anlage mit Speicher und Wärmepumpe erfordert eine hohe Anfangsinvestition.
    • Wetterabhängigkeit: Die PV-Anlage produziert weniger Strom bei bewölktem Wetter oder im Winter.

2. Vorschriften und zukünftige Entwicklungen für Heizungssysteme

Gebäudeenergiegesetz (GEG)

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG), das 2020 in Kraft trat, stellt die wichtigsten gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Energieverbrauch und die Heizsysteme in Neubauten. Es hat folgende Schwerpunkte:

  • Primärenergiebedarf: Neubauten dürfen nur einen bestimmten Primärenergiebedarf haben. Dieser Wert misst den gesamten Energieaufwand des Gebäudes, einschließlich der Energie, die für Heizung, Warmwasser und Lüftung benötigt wird. Moderne Heizsysteme wie Wärmepumpen, Solarthermie oder Brennstoffzellen erfüllen diese Anforderungen leichter.
  • Erneuerbare Energien: Das GEG schreibt vor, dass ein Teil des Energiebedarfs eines Neubaus aus erneuerbaren Energien gedeckt werden muss. Dies kann durch den Einsatz von Wärmepumpen, Solarthermie, Photovoltaik oder Biomasseheizungen erreicht werden.
  • Primärenergiefaktor: Der Primärenergiefaktor für verschiedene Energieträger (z. B. Gas, Strom, Holz) bestimmt, wie energieeffizient die jeweilige Heizlösung ist. Erneuerbare Energien schneiden dabei besser ab als fossile Brennstoffe.

Verbot von Öl- und reinen Gasheizungen

Ab 2026 wird es in Deutschland verboten sein, in Neubauten reine Öl- oder Gasheizungen zu installieren. Hybridheizungen, die fossile Brennstoffe mit erneuerbaren Energien kombinieren, sind jedoch weiterhin erlaubt. Die langfristige Abkehr von fossilen Brennstoffen ist eine wesentliche Säule der Klimaschutzstrategie der Regierung.

Zukünftige Entwicklungen und Vorschriften

  • Energieeffizienz und Klimaneutralität: Die Europäische Union und Deutschland streben an, bis 2045 klimaneutral zu sein. Es ist zu erwarten, dass die Anforderungen an Heizsysteme in Neubauten weiter verschärft werden. Heizungen, die vollständig auf erneuerbare Energien setzen, werden zunehmend gefördert und könnten in naher Zukunft verpflichtend sein.
  • Verpflichtung zur Nutzung erneuerbarer Energien: Es wird erwartet, dass in den kommenden Jahren der Einsatz von erneuerbaren Heizsystemen wie Wärmepumpen oder Solarthermie weiter gefördert und in Neubauten verpflichtend vorgeschrieben wird.

Fazit

Beim Bau eines Neubaus stehen moderne Heizungssysteme wie Wärmepumpen, Brennstoffzellen, Pelletheizungen und Photovoltaik in Kombination mit elektrischen Heizsystemen im Vordergrund. Diese Systeme setzen auf erneuerbare Energien und tragen zur CO₂-Reduktion bei. Fossile Heizungen wie Gasheizungen werden zunehmend durch Hybridlösungen ersetzt oder ganz aus Neubauten verbannt.

Aktuelle Gesetze wie das Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreiben vor, dass ein erheblicher Teil des Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen gedeckt wird. Zukünftig wird der Trend hin zu klimaneutralen Gebäuden weitergehen, und die Nutzung von Heizsystemen, die auf fossile Brennstoffe setzen, wird stark eingeschränkt oder ganz verboten werden.