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Die Abdichtung und Regenwasserableitung am Dach sind entscheidend für den Schutz des Gebäudes vor Feuchtigkeitsschäden, Schimmelbildung und langfristigen Bauschäden. Fehler bei der Abdichtung oder unzureichende Maßnahmen zur Ableitung von Regenwasser können schwere Konsequenzen haben. Um die Funktionsfähigkeit und Qualität sicherzustellen, sollten folgende Maßnahmen durchgeführt werden:
1. Prüfung der Dachabdichtung
a) Sichtprüfung der Abdichtungsmaterialien
- Vollständigkeit der Abdichtung:
- Kontrollieren Sie, ob die Dachabdichtung vollständig und ohne Lücken oder Risse aufgebracht wurde.
- Materialprüfung:
- Überprüfen Sie, ob die verwendeten Materialien (z. B. Bitumenbahnen, Kunststoffbahnen oder Flüssigabdichtungen) den Planungsunterlagen entsprechen und nach DIN 18531 (Abdichtung von Dächern) ausgeführt wurden.
- Überlappungen:
- Sicherstellen, dass die Bahnen der Abdichtung ausreichend überlappen (mindestens 10 cm je nach Material), um Undichtigkeiten zu vermeiden.
- Funktion von Anschlüssen:
- Alle Übergänge und Anschlüsse an Dachfenstern, Schornsteinen, Gauben, Lüftungsrohren und Dachrändern müssen sorgfältig abgedichtet sein.
b) Prüfung der Dachneigung
- Geeignete Dachneigung:
- Die Neigung des Dachs muss ausreichen, um das Wasser schnell und zuverlässig abzuleiten. Flachdächer sollten eine Mindestneigung von 2 % aufweisen, geneigte Dächer haben in der Regel 15 % oder mehr.
- Pfützenbildung:
- Kontrollieren Sie, ob sich Wasser auf der Dachfläche staut. Pfützenbildung deutet auf Verarbeitungsfehler oder eine unzureichende Neigung hin.
c) Belastungstest
- Wasserdrucktest:
- Bei flachen oder geringen Dachneigungen kann ein kontrollierter Wasserdrucktest durchgeführt werden, um die Dichtheit der Abdichtung zu prüfen.
- Regensimulation:
- Simulieren Sie starke Niederschläge, um sicherzustellen, dass das Wasser vollständig abläuft und keine Leckagen auftreten.
2. Prüfung der Anschlüsse und Durchdringungen
a) Schornsteine und Lüftungsrohre
- Dichtheit der Anschlüsse:
- Alle Durchdringungen, wie Schornsteine, Lüftungsrohre oder Antennen, müssen mit Manschetten oder speziellen Abdichtungsmaterialien wasserdicht eingefasst sein.
- Materialverträglichkeit:
- Überprüfen Sie, ob die verwendeten Materialien (z. B. Dichtbänder oder Manschetten) witterungsbeständig sind.
b) Trauf- und Ortgangbereiche
- Traufanschluss:
- Der Übergang zwischen Dachrand und Regenrinne muss so gestaltet sein, dass kein Wasser unter die Abdichtung gelangen kann.
- Ortgangabschluss:
- Der Dachrand muss vor Wind und eindringendem Wasser geschützt sein, z. B. durch Windbretter oder spezielle Blechabdeckungen.
c) Dachfenster und Gauben
- Saubere Einbindung:
- Fenster und Gauben müssen sorgfältig in die Dachabdichtung eingebunden werden. Fehlende Abdichtungen oder unsaubere Ausführungen führen schnell zu Undichtigkeiten.
- Prüfung der Laibungen:
- Kontrollieren Sie, ob die Übergänge zwischen Dachfläche und Fensterlaibung wasserdicht ausgeführt sind.
3. Prüfung der Regenwasserableitung
a) Dachrinnen und Fallrohre
- Sauberkeit und Freigängigkeit:
- Stellen Sie sicher, dass Dachrinnen und Fallrohre frei von Verstopfungen (z. B. durch Laub) sind.
- Gefälle prüfen:
- Die Dachrinne muss ein leichtes Gefälle in Richtung der Fallrohre aufweisen, um Stauwasser zu vermeiden.
- Verbindungen:
- Alle Verbindungsstellen der Dachrinne und der Fallrohre müssen dicht und stabil sein.
- Korrosionsschutz:
- Metallrinnen und -rohre sollten gegen Korrosion geschützt sein.
b) Regenwassersammler und Einläufe
- Dichtigkeit der Einläufe:
- Kontrollieren Sie, ob Regenwassereinläufe auf Flachdächern richtig montiert und abgedichtet sind.
- Kiesfangleisten:
- Bei Flachdächern mit Kiesauflage müssen Kiesfangleisten angebracht sein, um das Eindringen von Kies in die Einläufe zu verhindern.
c) Wasserführung vom Gebäude weg
- Ablaufprüfung:
- Prüfen Sie, ob das Regenwasser sicher vom Gebäude weggeleitet wird (z. B. über Drainagen oder Versickerungsanlagen).
- Spritzschutz:
- Am Sockelbereich sollte ein Spritzschutz vorhanden sein, um Wasserschäden an der Fassade zu vermeiden.
4. Kontrolle der Hinterlüftung (bei geneigten Dächern)
- Hinterlüftung der Dachhaut:
- Überprüfen Sie, ob die Hinterlüftung intakt ist. Eine unzureichende Belüftung kann zu Feuchtigkeitsschäden führen.
- Freie Lüftungsöffnungen:
- Lüftungsöffnungen an Traufe und First dürfen nicht durch Dämmmaterialien oder andere Bauteile blockiert sein.
5. Durchführung von Fachprüfungen
a) Blower-Door-Test
- Ein Blower-Door-Test kann zeigen, ob die Dachabdichtung luft- und winddicht ist.
b) Thermografie
- Mit einer Wärmebildkamera können Schwachstellen und Wärmebrücken in der Dachabdichtung erkannt werden.
c) Regenwassersimulation
- Eine Simulation starker Regenfälle zeigt, ob die Regenwasserableitung auch bei extremen Bedingungen funktioniert.
6. Dokumentation der Arbeiten
- Fotodokumentation:
- Lassen Sie die Abdichtung und die Regenwasserableitung in jeder Bauphase fotografisch dokumentieren.
- Protokolle:
- Verlangen Sie von den Handwerkern Protokolle über Dichtheitsprüfungen, Materialverwendung und Einbauzeiten.
- Materialnachweise:
- Fordern Sie Nachweise über die verwendeten Materialien, z. B. Produktzertifikate oder technische Datenblätter.
7. Häufige Fehler und wie sie vermieden werden können
- Unzureichende Abdichtungen:
- Kontrollieren Sie, ob alle Anschlüsse sorgfältig verarbeitet wurden, insbesondere an Durchdringungen und Übergängen.
- Verstopfte oder falsch installierte Regenrinnen:
- Eine regelmäßige Reinigung und korrekte Installation der Dachrinnen verhindert Wasserschäden.
- Fehlende Wartung:
- Dachabdichtung und Regenwasserableitung sollten regelmäßig gewartet werden, um ihre Funktion langfristig sicherzustellen.
Fazit
Die Prüfung der Abdichtung und Regenwasserableitung am Dach erfordert eine Kombination aus Sichtkontrollen, technischen Prüfmethoden und der Einbindung von Experten. Durch systematische Kontrollen stellen Bauherren sicher, dass das Dach langfristig dicht bleibt und Regenwasser effizient abgeleitet wird. Eine gründliche Dokumentation der Arbeiten und Prüfungen bietet zusätzliche Sicherheit und schützt vor späteren Problemen.