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Bei der Wahl eines Grundstücks spielt der Bebauungsplan eine zentrale Rolle, da er die zulässige Nutzung und Gestaltung des Grundstücks detailliert festlegt. Es gibt verschiedene Vorschriften und Einschränkungen, die im Bebauungsplan enthalten sein können und die bei der Grundstücksauswahl berücksichtigt werden sollten:
1. Art der baulichen Nutzung
- Wohngebiet (WR): Grundstücke, die in einem reinen Wohngebiet liegen, dürfen nur für Wohnbebauung genutzt werden. Gewerbliche Nutzungen sind meist eingeschränkt oder ausgeschlossen.
- Mischgebiet (MI): Hier sind sowohl Wohnen als auch Gewerbe erlaubt. Dies kann den Wert eines Grundstücks steigern, aber auch zu potenziellen Konflikten (z.B. Lärm durch Gewerbe) führen.
- Gewerbegebiet (GE): Grundstücke in Gewerbegebieten sind in der Regel für gewerbliche Zwecke vorgesehen. Wohnnutzung ist meist ausgeschlossen oder nur in besonderen Fällen erlaubt.
- Industriegebiet (GI): Grundstücke in Industriegebieten sind primär für industrielle Nutzungen vorgesehen. Wohnbebauung ist hier in der Regel nicht erlaubt.
2. Maß der baulichen Nutzung
Der Bebauungsplan gibt vor, wie dicht und hoch auf einem Grundstück gebaut werden darf. Folgende Kennzahlen sind dabei wichtig:
- Grundflächenzahl (GRZ): Die GRZ gibt an, wie viel Prozent des Grundstücks bebaut werden darf. Eine GRZ von 0,4 bedeutet beispielsweise, dass 40 % des Grundstücks überbaut werden können, der Rest muss unbebaut bleiben (z.B. für Garten oder Stellplätze).
- Geschossflächenzahl (GFZ): Die GFZ legt fest, wie viel Geschossfläche im Verhältnis zur Grundstücksfläche errichtet werden darf. Eine GFZ von 1,2 bedeutet, dass die gesamte Geschossfläche aller Etagen 120 % der Grundstücksfläche betragen darf.
- Baumassenzahl (BMZ): Die BMZ gibt an, wie viel Kubikmeter umbauten Raum pro Quadratmeter Grundstücksfläche zulässig sind.
Diese Vorgaben bestimmen, ob auf dem Grundstück ein kleines Einfamilienhaus oder ein großes Mehrfamilienhaus errichtet werden kann und wie viel Fläche für Freiräume bleibt.
3. Bauweise und Gebäudeart
- Offene Bauweise (o): In dieser Bauweise müssen freistehende Einzelhäuser oder Doppelhäuser mit bestimmten Abständen zueinander errichtet werden.
- Geschlossene Bauweise (g): Gebäude müssen ohne seitlichen Abstand zum Nachbargebäude errichtet werden (z.B. Reihenhäuser oder Wohnblocks).
- Grenzbebauung: Der Bebauungsplan kann festlegen, ob und in welchem Umfang an die Grundstücksgrenzen gebaut werden darf. Dies betrifft beispielsweise Garagen oder Nebengebäude.
4. Zulässige Gebäudehöhen
Der Bebauungsplan regelt oft, wie hoch Gebäude sein dürfen. Dies kann in Metern oder in der Anzahl der Geschosse festgelegt sein. Bei der Planung eines Hauses ist es wichtig, diese Vorgaben zu beachten:
- Firsthöhe/Dachhöhe: Es kann festgelegt sein, wie hoch der First oder die Traufe eines Gebäudes sein darf.
- Anzahl der Geschosse: Der Plan kann die maximale Anzahl an Geschossen vorschreiben (z.B. eingeschossig, zweigeschossig). Dies beeinflusst maßgeblich die Größe und Gestaltung des Hauses.
5. Dachformen und Dachneigungen
Viele Bebauungspläne legen fest, welche Dachformen erlaubt sind:
- Dachform: Es kann vorgeschrieben sein, ob das Haus ein Satteldach, Walmdach, Flachdach oder Pultdach haben muss.
- Dachneigung: Oft wird auch eine spezifische Dachneigung vorgeschrieben, z.B. zwischen 30° und 45°. Dies beeinflusst die Bauweise des Hauses und kann auch den Stil des Wohngebiets prägen.
6. Abstandsflächen
Abstandsflächen sind die Mindestabstände, die ein Gebäude zur Grundstücksgrenze einhalten muss. Diese werden oft im Bebauungsplan festgelegt und dienen dazu, ausreichend Licht, Luft und Sichtschutz zu gewährleisten:
- Seitliche Abstände: Abstände zu den Nachbargrundstücken.
- Vordere und hintere Abstände: Abstände zur Straße oder zum hinteren Grundstücksrand.
Diese Abstände können beeinflussen, wie groß das Haus gebaut werden kann und wie es auf dem Grundstück platziert wird.
7. Bepflanzung und Grünflächen
Der Bebauungsplan kann Regelungen zu Grünflächen, Gärten und Bepflanzungen enthalten:
- Grünflächenanteil: Es kann vorgeschrieben sein, dass ein bestimmter Teil des Grundstücks als Grünfläche erhalten bleiben muss. Oft ist dies bei Neubaugebieten der Fall, um eine „grüne“ Gestaltung zu fördern.
- Hecken und Bäume: In einigen Bebauungsplänen kann es Vorgaben geben, welche Arten von Hecken oder Bäumen auf dem Grundstück gepflanzt werden müssen oder wie hoch diese sein dürfen.
8. Stellplatzverordnung
Viele Bebauungspläne enthalten Vorschriften zu Parkmöglichkeiten:
- Anzahl der Stellplätze: Es kann festgelegt sein, wie viele Stellplätze pro Wohneinheit auf dem Grundstück geschaffen werden müssen. Dies hängt oft von der Anzahl der Wohneinheiten und der Größe des Grundstücks ab.
- Garagen und Carports: In manchen Plänen ist auch geregelt, ob Garagen oder Carports zulässig sind und wo diese auf dem Grundstück platziert werden dürfen.
9. Besondere Vorschriften
Einige Bebauungspläne enthalten zusätzliche Regelungen, die bei der Wahl des Grundstücks beachtet werden sollten:
- Denkmalschutz: Wenn das Grundstück in einem Gebiet liegt, das unter Denkmalschutz steht, gibt es oft strenge Auflagen zur Erhaltung und Gestaltung der Gebäude.
- Naturschutzgebiete: Wenn das Grundstück in der Nähe eines Naturschutzgebietes liegt, können spezielle Vorschriften zum Umweltschutz gelten, die die Bauweise oder Nutzung einschränken.
- Lärmschutzauflagen: In Gebieten mit erhöhten Lärmpegeln (z.B. in der Nähe von Straßen oder Bahngleisen) können besondere Vorschriften zum Schallschutz vorgeschrieben sein.
10. Bebauungsplan und zukünftige Entwicklungen
Neben den bestehenden Vorschriften im Bebauungsplan sollten auch mögliche zukünftige Entwicklungen berücksichtigt werden:
- Neue Bebauungspläne: Es ist wichtig, sich nach laufenden oder geplanten Änderungen des Bebauungsplans zu erkundigen, da diese die zukünftige Nutzung des Grundstücks und seiner Umgebung beeinflussen könnten.
- Infrastrukturprojekte: Neue Straßen, Gewerbegebiete oder öffentliche Einrichtungen können den Charakter der Nachbarschaft verändern und Einfluss auf den Grundstückswert haben.
Fazit
Beim Kauf eines Grundstücks sollte der Bebauungsplan gründlich geprüft werden, da er festlegt, wie das Grundstück genutzt werden darf und welche baulichen Einschränkungen bestehen. Vorschriften zur Nutzung, Bauweise, Höhe, Abständen, Dachform und Bepflanzung sind wichtige Faktoren, die sowohl den Wert des Grundstücks als auch die Art des möglichen Hauses beeinflussen. Es empfiehlt sich, den Bebauungsplan vorab genau zu studieren und bei Bedarf fachlichen Rat, z.B. von einem Architekten oder Bauplaner, einzuholen.