Welche Vorschriften und Maßnahmen müssen vom Dachdecker erfüllt werden um das neugedeckte Dach gegen Sturmschäden abzusichern?

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Ein Dach muss so ausgeführt werden, dass es auch bei extremen Witterungsverhältnissen wie starken Stürmen sicher bleibt. Dachdecker sind verpflichtet, Vorschriften und technische Regeln zu beachten, um die Sturmsicherheit eines Daches zu gewährleisten. Hier sind die relevanten Vorschriften, Normen und Maßnahmen, die einzuhalten sind:


1. Relevante Vorschriften und Normen

a) DIN-Normen

  • DIN EN 1991-1-4 (Windlasten):
    • Diese Norm regelt die Berechnung von Windlasten auf Dächer und Gebäude. Sie berücksichtigt geografische Lage, Geländekategorie, Gebäudehöhe und Dachneigung.
  • DIN 1055 (Einwirkungen auf Tragwerke):
    • Ergänzt die Berechnungen zu Wind- und Schneelasten, insbesondere für die statische Auslegung von Dächern.
  • DIN 18531 (Abdichtung von Dächern):
    • Diese Norm beschreibt Anforderungen an die Abdichtung und Verankerung von Dachelementen.

b) Fachregeln des Dachdeckerhandwerks

  • Regeln des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH):
    • Die Fachregeln des ZVDH geben praxisnahe und detaillierte Vorgaben, z. B. für die Befestigung von Dachziegeln, Unterkonstruktionen und Sturmsicherungsmaßnahmen.
    • Vorgeschrieben sind z. B. Mindestanzahlen an Befestigungspunkten pro Quadratmeter, abhängig von Dachneigung, Windlastzone und Gebäudehöhe.

2. Maßnahmen zur Sturmsicherung

a) Berechnung und Planung

  1. Windlastberechnung:
    • Die Dachkonstruktion muss auf Basis der Windlastzonen in Deutschland und den spezifischen Bedingungen des Bauorts (z. B. offene Landschaft, Stadtgebiet) berechnet werden.
    • Es ist wichtig, besonders gefährdete Bereiche wie Randzonen, Dachfirste und Traufen gesondert zu sichern.
  2. Dachneigung und Gebäudehöhe:
    • Je steiler das Dach und je höher das Gebäude, desto größer die Windkräfte, die auf das Dach wirken. Diese Parameter müssen bei der Planung berücksichtigt werden.

b) Befestigung von Dachziegeln und Dachplatten

  1. Sturmsichere Verankerung:
    • In besonders sturmgefährdeten Bereichen (z. B. Rand- und Eckzonen) müssen Dachziegel oder Dachplatten zusätzlich mechanisch befestigt werden, z. B. durch:
      • Sturmklammern: Halteklammern aus Edelstahl oder verzinktem Stahl, die Dachziegel gegen Abheben sichern.
      • Verschraubungen: Bei schwereren Dachplatten oder starker Neigung sollten diese verschraubt werden.
  2. Verankerung in der Unterkonstruktion:
    • Dachlatten und Sparren müssen ausreichend dimensioniert und sicher miteinander verbunden sein.
    • Die Unterkonstruktion muss ebenfalls sturmsicher an die tragenden Gebäudeteile (z. B. das Mauerwerk) angebunden sein.

c) Sicherung der Rand- und Eckzonen

  • Besonders gefährdete Bereiche:
    • Die Rand-, Trauf- und Firstbereiche des Daches sind am stärksten den Windlasten ausgesetzt. Hier gelten strengere Anforderungen für die Befestigung:
      • Jede Ziegelreihe in diesen Zonen muss gesichert werden, nicht nur jede zweite oder dritte, wie es in weniger sturmanfälligen Bereichen möglich ist.
  • Traufbleche und Ortgangsabschlüsse:
    • Alle Bleche und Abdeckungen an der Traufe und am Ortgang müssen mechanisch befestigt werden, z. B. durch Schrauben oder spezielle Halterungen.

d) Unterspannbahnen und Zusatzmaßnahmen

  1. Unterspannbahnen:
    • Unterspannbahnen müssen straff gespannt und an den Sparren befestigt sein, um ein Flattern oder Reißen bei starkem Wind zu vermeiden.
    • Klebebänder oder Klammern sorgen für zusätzliche Sicherheit an den Überlappungen.
  2. Konterlattung:
    • Eine Konterlattung sorgt für zusätzliche Stabilität der Unterkonstruktion und verhindert, dass sich Dachziegel oder Platten lösen.

e) Schutz von Dachaufbauten

  • Dachfenster und Gauben:
    • Fenster und Gauben müssen sorgfältig eingebunden und abgedichtet sein, um das Eindringen von Wind und Regen zu verhindern.
  • Schornsteine und Lüftungsrohre:
    • Diese Bauteile sollten mit Stützkonstruktionen oder zusätzlichen Halterungen gesichert werden, um ein Abheben oder Verschieben zu verhindern.

f) Dachabdichtung

  • Windsogschutz:
    • Insbesondere bei Flachdächern muss die Abdichtung gegen Windsog gesichert sein. Dazu dienen Ballastierungen (z. B. Kies) oder mechanische Befestigungen.
  • Verklebung:
    • Abdichtungsbahnen sollten an den Rändern und Überlappungen fest verklebt werden.

3. Wartung und regelmäßige Inspektionen

  • Kontrolle nach Stürmen:
    • Nach einem Sturm sollte das Dach auf lose Ziegel, beschädigte Abdichtungen oder gelockerte Befestigungen überprüft werden.
  • Jährliche Wartung:
    • Mindestens einmal im Jahr sollte das Dach inspiziert werden, um mögliche Schäden frühzeitig zu erkennen und zu beheben.
  • Reinigung der Dachrinnen:
    • Verstopfte Dachrinnen können bei Regen zusätzlich Belastungen auf das Dach ausüben.

4. Dokumentation und Nachweise

  • Fotodokumentation:
    • Lassen Sie den Dachaufbau und die Befestigungsmaßnahmen fotografisch dokumentieren, insbesondere in den Rand- und Eckbereichen.
  • Prüfprotokolle:
    • Fordern Sie vom Dachdecker Prüfprotokolle an, die die ordnungsgemäße Befestigung und Einhaltung der Vorschriften belegen.
  • Zertifikate und Materialien:
    • Verlangen Sie Nachweise über die verwendeten Materialien (z. B. Sturmklammern) und deren Übereinstimmung mit den geltenden Normen.

5. Einbindung von Fachleuten

  • Dachdeckermeister:
    • Beauftragen Sie einen qualifizierten Dachdeckermeister, der die Arbeiten nach den geltenden Normen ausführt.
  • Bausachverständiger:
    • Ein unabhängiger Sachverständiger kann die Ausführung der Arbeiten kontrollieren und eine objektive Bewertung abgeben.

Häufige Fehler und wie sie vermieden werden können

  1. Unzureichende Befestigung:
    • Jede Dachplatte oder jeder Ziegel in sturmgefährdeten Bereichen sollte gesichert werden, nicht nur jede zweite oder dritte.
  2. Fehlender Fokus auf Randzonen:
    • Rand- und Eckbereiche sind besonders sturmanfällig und müssen zusätzliche Sicherungen erhalten.
  3. Nicht angepasste Materialien:
    • Verwenden Sie Materialien, die für die lokalen Windlasten und Witterungsverhältnisse geeignet sind.

Fazit

Ein sturmsicheres Dach erfordert eine sorgfältige Planung, die Einhaltung von Normen und fachgerechte Ausführung. Besonders wichtig sind die Berechnung der Windlasten, die sichere Befestigung von Ziegeln und Bauteilen sowie die regelmäßige Wartung. Durch die Einbindung qualifizierter Fachleute und die Dokumentation der Arbeiten können Bauherren sicherstellen, dass ihr Dach langfristig gegen Sturmschäden geschützt ist.