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Die Gefahr von Bergschäden, insbesondere durch den Abbau von Bodenschätzen wie Kohle, Erz oder Salz, kann die Stabilität eines Grundstücks und die Sicherheit von Bauwerken erheblich beeinträchtigen. Diese Schäden entstehen meist durch unterirdische Hohlräume, die durch den Bergbau verursacht wurden und zu Bodenabsenkungen oder Rissen in Bauwerken führen können. Um herauszufinden, ob auf einem Grundstück die Gefahr von Bergschäden besteht, sollten Sie die folgenden Schritte befolgen:
1. Prüfung des Bergbaugebiets
- Historische Bergbauaktivitäten: Finden Sie heraus, ob das Grundstück in einem Gebiet liegt, in dem in der Vergangenheit Bergbau betrieben wurde. Regionen mit Bergbauaktivitäten sind häufig in Bergbauregionenverzeichnissen erfasst.
- Deutschland: In Deutschland gibt es viele ehemalige Bergbaugebiete, insbesondere in Nordrhein-Westfalen, dem Saarland und Sachsen. Andere Länder haben ebenfalls spezifische Bergbauregionen, in denen das Risiko von Bergschäden besteht.
Informationsquellen zur Bergbauaktivität:
- Bergbehörde oder Landesamt für Geologie und Bergwesen: Die zuständigen Bergbehörden oder Landesämter führen Register über Bergbauregionen. In Deutschland sind das z.B. die Bergämter der Länder oder das Bundesamt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Diese Behörden bieten Informationen darüber, ob sich das Grundstück in einem ehemaligen Bergbaugebiet befindet.
- Deutsche Grundkarte (DGK5): Auf der Grundkarte des jeweiligen Bundeslandes sind oft ehemalige Abbaugebiete und Bergbauschächte verzeichnet.
- RAG-Stiftung: In Nordrhein-Westfalen und dem Ruhrgebiet bietet die RAG Aktiengesellschaft Informationen über Altbergbaugebiete und mögliche Bergschäden an.
- Katasteramt: Auch das lokale Katasteramt oder Vermessungsamt kann Informationen über alte Bergwerksstollen und Schächte in der Nähe des Grundstücks bereitstellen.
2. Einholung von Informationen zu Bergschäden
- Bergschadenskataster: Viele Bergbaubehörden führen sogenannte Bergschadenskatastern, in denen bekannte Fälle von Bergschäden verzeichnet sind. Sie können bei den Bergämtern oder Geologischen Diensten nachfragen, ob das Grundstück in einem solchen Kataster geführt wird oder ob in der Nähe Bergschäden aufgetreten sind.
- Regionale Karten und Gutachten: Einige Regionen veröffentlichen Karten oder Gutachten über das Risiko von Bodenabsenkungen oder Bergschäden. Diese Karten zeigen, wo Bodensenkungen durch alte Stollen oder Gruben zu erwarten sind.
3. Grundbuch und Bergbaurechte
- Grundbucheintragungen: Im Grundbuch können Hinweise auf Bergrechte oder Bergwerkseigentum enthalten sein. Diese Eintragungen deuten darauf hin, dass auf dem Grundstück in der Vergangenheit Bergbau betrieben wurde oder das Recht besteht, unterirdische Rohstoffe abzubauen. Im Grundbuch sind auch Wegerechte oder Schutzzonen für Bergbauschächte festgehalten.
- Bergrechtliche Eintragungen: Falls im Grundbuch bergrechtliche Eintragungen vorhanden sind, sollte dies weiter untersucht werden. Diese Eintragungen können bedeuten, dass das Grundstück unter Bergrecht fällt und somit von Bergschäden betroffen sein könnte.
4. Ortsbegehung und Gespräche
- Nachbarn und lokale Behörden: Eine direkte Befragung von Nachbarn oder lokalen Behörden kann Hinweise auf frühere Bergschäden in der Umgebung geben. Möglicherweise sind in der Region bereits Schäden wie Bodenabsenkungen, Risse in Gebäuden oder andere sichtbare Folgen des Bergbaus aufgetreten.
- Ortsbesichtigung: Bei der Begehung des Grundstücks sollten Sie auf Anzeichen wie ungleichmäßige Bodenabsenkungen, Risse in der Umgebung oder beschädigte Infrastruktur achten, die auf Bodensenkungen hinweisen könnten.
5. Geotechnische Untersuchungen
- Geotechnisches Gutachten: Ein geotechnisches oder bergbauliches Gutachten bietet eine detaillierte Untersuchung des Untergrunds. Spezialisten für Bergbaugeologie können durch Bohrungen oder geophysikalische Messungen feststellen, ob unter dem Grundstück Hohlräume oder instabile Erdschichten vorhanden sind.
- Bodenuntersuchung: Wenn Verdacht auf unterirdische Hohlräume besteht, können Tiefenbohrungen und geophysikalische Untersuchungen (z.B. Bodenradar oder Seismik) durchgeführt werden, um die Bodenstabilität zu prüfen.
- Baugrunduntersuchung: Eine allgemeine Baugrunduntersuchung vor Baubeginn kann ebenfalls Hinweise auf die Stabilität des Bodens liefern. Sie kann Risse, Senkungen oder andere Anomalien aufzeigen, die durch ehemalige Bergbauaktivitäten verursacht wurden.
6. Versicherungsschutz
- Bergschadensversicherung: In Regionen mit bekanntem Bergbaurisiko gibt es spezielle Bergschadensversicherungen. Diese Versicherungen schützen vor den finanziellen Folgen von Bergschäden, wie z.B. Bodenabsenkungen oder Risse in Gebäuden.
- Versicherungsberatung: Sprechen Sie mit Ihrem Versicherer darüber, ob es sinnvoll ist, eine solche Versicherung abzuschließen, und inwiefern das Grundstück in eine Risikozone fällt.
7. Rechtslage und Verantwortung bei Bergschäden
- Schadensersatzansprüche: In Deutschland regelt das Bundesberggesetz (BBergG), dass der Verursacher von Bergschäden für die Beseitigung und den Schadenersatz verantwortlich ist. Wenn Sie nachweisen können, dass ein Bergwerksunternehmen für die Schäden verantwortlich ist, haben Sie Anspruch auf Entschädigung.
- Verjährungsfristen: Beachten Sie, dass es Verjährungsfristen für Schadensersatzansprüche gibt. Bei Bergschäden beginnt die Frist oft erst mit der Feststellung des Schadens, kann aber nach vielen Jahren schwer nachweisbar sein.
8. Zukünftige Entwicklungen und Sanierungen
- Sanierungsmaßnahmen: In einigen Fällen können Bergbauunternehmen oder die zuständigen Behörden Sanierungsmaßnahmen durchführen, um das Risiko von Bergschäden zu verringern. Informieren Sie sich darüber, ob in der Region entsprechende Maßnahmen geplant oder bereits durchgeführt wurden.
- Zukünftige Nutzungseinschränkungen: Liegt ein Grundstück in einem Gebiet mit einem hohen Risiko für Bergschäden, können besondere Bauvorschriften gelten, wie z.B. verstärkte Fundamente oder eine spezielle Bauweise, um die Risiken zu minimieren.
Fazit
Um herauszufinden, ob auf einem Grundstück die Gefahr von Bergschäden besteht, sollten Sie systematisch Informationen von Behörden, öffentlichen Registern und Experten einholen. Ein geotechnisches Gutachten und eine Prüfung der Bergbauhistorie der Region sind entscheidend, um das Risiko für das Grundstück zu beurteilen. Da Bergschäden zu erheblichen Baukosten und Schäden führen können, ist eine gründliche Prüfung vor dem Kauf eines Grundstücks in ehemaligen Bergbaugebieten unerlässlich.