Wie können energetische Schwachstellen an den verschiedenen Fassadenausführungen durch Nachrüstung von Dämmstoffen beseitigt werden?

www.baukosten.com > Bestandsbau-Projekt > Zustandsaufnahme > Gebäudehülle sanieren

Energetische Schwachstellen an Fassaden entstehen häufig durch unzureichende oder fehlende Wärmedämmung. Solche Schwachstellen führen zu Wärmeverlusten, höheren Heizkosten und können langfristig auch Feuchtigkeitsschäden oder Schimmelbildung begünstigen. Je nach Ausführung der Fassade gibt es unterschiedliche Nachrüstmöglichkeiten, um diese energetischen Schwachstellen zu beseitigen und den Wärmeschutz deutlich zu verbessern. Hier sind die gängigsten Fassadenausführungen und passende Nachrüstlösungen im Überblick:

1. Massivbau mit ungedämmter oder unzureichend gedämmter Außenwand

Bei massiven Wänden, wie sie bei älteren Bestandsbauten häufig vorkommen, handelt es sich oft um Ziegel-, Beton- oder Steinwände, die ursprünglich nicht oder nur unzureichend gedämmt sind.

a) Außendämmung mit Wärmedämmverbundsystem (WDVS)

  • Verfahren: Das Wärmedämmverbundsystem (WDVS) ist die häufigste Methode zur nachträglichen Dämmung von massiven Wänden. Es besteht aus Dämmplatten (z. B. EPS, Mineralwolle, Polyurethan), die auf die Außenwand aufgebracht und mit einem Armierungsgewebe sowie einer Putzschicht versehen werden.
  • Vorteile:
    • Bietet einen sehr guten Wärmeschutz, da die gesamte Gebäudehülle eingepackt wird.
    • Vermeidet Wärmebrücken an Gebäudeecken und Fensteranschlüssen.
    • Schützt das Mauerwerk vor Witterungseinflüssen und Frostschäden.
  • Nachteile:
    • Relativ kostspielig.
    • Verändert das Erscheinungsbild des Gebäudes, was bei denkmalgeschützten Fassaden problematisch sein kann.
    • Notwendige Anpassung von Fensterbänken, Dachanschlüssen und Rollladenkästen.

b) Innendämmung

  • Verfahren: Bei Gebäuden, bei denen die äußere Fassade nicht verändert werden darf oder kann (z. B. denkmalgeschützte Gebäude), kann eine Innendämmung installiert werden. Hierbei werden Dämmplatten (z. B. Kalziumsilikat, Holzfaserplatten, Mineralwolle) auf der Innenseite der Außenwände angebracht.
  • Vorteile:
    • Verändert die äußere Fassadenoptik nicht.
    • Ideal für den Denkmalschutz oder Gebäude, bei denen eine Außendämmung nicht möglich ist.
  • Nachteile:
    • Raumverlust, da die Innendämmung Platz beansprucht.
    • Höheres Risiko von Feuchtigkeitsschäden durch Kondenswasserbildung, wenn die Dämmung nicht fachgerecht ausgeführt wird.
    • Begrenzte Dämmstärke möglich.

c) Kerndämmung bei zweischaligem Mauerwerk

  • Verfahren: Wenn die Außenwand aus einem zweischaligen Mauerwerk besteht (z. B. bei Klinkerfassaden), kann die Luftschicht zwischen den beiden Mauerschalen nachträglich mit Einblasdämmung gefüllt werden. Hierzu werden kleine Löcher in die äußere Mauer gebohrt und Dämmstoffe wie EPS-Granulat, Mineralwolle, oder Perlite eingeblasen.
  • Vorteile:
    • Schnelle und relativ kostengünstige Methode.
    • Keine optischen Veränderungen der Fassade.
  • Nachteile:
    • Diese Methode ist nur möglich, wenn die Luftschicht vorhanden und groß genug ist (mindestens 5 cm).
    • Nicht so effektiv wie eine Außendämmung mit WDVS.

2. Fassaden mit vorgehängten hinterlüfteten Fassaden (VHF)

Vorgehängte hinterlüftete Fassaden (z. B. mit Schiefer, Metall, Holz) haben eine Luftschicht zwischen der äußeren Verkleidung und der Tragstruktur, was grundsätzlich eine gute Feuchtigkeitsabfuhr ermöglicht. Allerdings sind viele ältere Fassaden unzureichend gedämmt.

a) Dämmung der Hinterlüftungsebene

  • Verfahren: Bei einer VHF kann die Dämmung in der Hinterlüftungsebene nachgerüstet werden. Hierzu wird die äußere Verkleidung entfernt oder gelockert, und eine zusätzliche Dämmstoffschicht (z. B. Mineralwolle, Steinwolle oder Polystyrol) in die Hinterlüftungsebene eingebracht.
  • Vorteile:
    • Bietet eine sehr gute Dämmwirkung, da die Außenwand vollständig abgedeckt ist.
    • Erhält die Vorteile der Hinterlüftung für die Feuchtigkeitsregulierung.
    • Ideal für Gebäude mit vorhandener VHF, da die Verkleidung oft ohne großen Aufwand demontiert werden kann.
  • Nachteile:
    • Die Verkleidung muss oft angepasst oder erneuert werden.
    • Die Sanierung ist abhängig vom Zustand der Tragstruktur und der Verankerungen der Fassadenplatten.

b) Zusätzliche Dämmschicht außen

  • Verfahren: Alternativ kann auf die vorhandene hinterlüftete Fassade eine zusätzliche Dämmschicht aufgebracht und mit einer neuen Verkleidung kombiniert werden. Dies erhöht die Dämmwirkung, ohne die Luftzirkulation in der Hinterlüftungsebene zu beeinträchtigen.
  • Vorteile:
    • Verbesserte Energieeffizienz durch eine zusätzliche Dämmschicht.
    • Die vorhandene Fassade bleibt oft unangetastet, und die Optik kann modernisiert werden.
  • Nachteile:
    • Erhöht die Baudicke, was ggf. baurechtliche Vorgaben betrifft.

3. Klinkerfassaden mit Luftschicht

Bei Klinkerfassaden gibt es oft eine Luftschicht zwischen der Tragstruktur und der äußeren Klinkerverkleidung. Diese ist häufig nicht ausreichend gedämmt.

a) Einblasdämmung in die Luftschicht

  • Verfahren: Die Luftschicht zwischen dem Klinker und der inneren Tragstruktur kann nachträglich mit Einblasdämmstoffen gefüllt werden (z. B. Perlite, Mineralwolle, EPS-Granulat). Die Einblasdämmung erfolgt durch kleine Bohrungen in den Klinkerfugen, durch die das Dämmmaterial eingebracht wird.
  • Vorteile:
    • Schnelle und kostengünstige Lösung.
    • Keine Veränderung der Klinkeroptik.
  • Nachteile:
    • Nur für zweischaliges Mauerwerk geeignet.
    • Die Luftschicht muss ausreichend groß und frei von Hindernissen sein, um eine gleichmäßige Verteilung des Dämmmaterials zu gewährleisten.

b) Zusätzliche Außendämmung

  • Verfahren: Wenn die Einblasdämmung nicht ausreichend ist oder der Klinker keine Luftschicht aufweist, kann eine Außendämmung auf die Klinkerfassade aufgebracht werden, entweder mit einem Wärmedämmverbundsystem oder einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade.
  • Vorteile:
    • Bietet den bestmöglichen Wärmeschutz, da die gesamte Wand eingepackt wird.
  • Nachteile:
    • Verändert das Erscheinungsbild der Fassade erheblich, was bei Klinkerfassaden oft unerwünscht ist.

4. Holzständerbauweise und Fachwerkhäuser

Bei Holzständerhäusern und Fachwerkhäusern besteht oft das Problem, dass die Dämmung im Inneren der Wände entweder gar nicht vorhanden oder unzureichend ist.

a) Dämmung der Gefache

  • Verfahren: Bei Fachwerkhäusern können die Gefache (also die Fächer zwischen den Holzträgern) nachträglich gedämmt werden. Hierfür werden natürliche Dämmstoffe wie Lehm, Holzfaserplatten, oder Hanf verwendet, die in die Gefache eingebracht werden.
  • Vorteile:
    • Die Holzstruktur bleibt erhalten, und das historische Erscheinungsbild wird nicht beeinträchtigt.
  • Nachteile:
    • Begrenzte Dämmwirkung, da die Gefache oft nur eine geringe Dicke aufweisen.
    • Muss sehr sorgfältig ausgeführt werden, um Feuchtigkeitsprobleme zu vermeiden.

b) Außendämmung mit hinterlüfteter Fassade

  • Verfahren: Bei Holzständerhäusern kann eine vorgehängte hinterlüftete Fassade aufgebracht werden. Dabei wird die Außenwand mit Dämmmaterial (z. B. Holzfaserplatten) versehen, und eine äußere Verkleidung (z. B. Holz, Metall oder Schiefer) wird montiert.
  • Vorteile:
    • Bietet eine sehr gute Dämmwirkung.
    • Die Hinterlüftung sorgt für einen guten Feuchtigkeitsschutz.
  • Nachteile:
    • Verändert das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes.

5. Fensteranschlüsse und Wärmebrücken

Fenster und Türen sind oft Schwachstellen in der Wärmedämmung, besonders in älteren Bestandsbauten.

a) Dämmung der Fensteranschlüsse

  • Verfahren: Die Anschlüsse zwischen den Fensterrahmen und der Wand müssen gut gedämmt und luftdicht abgeschlossen werden. Dies erfolgt durch Anschlussprofile, die die Fenster in die Dämmebene der Außenwand integrieren.
  • Vorteile:
    • Reduziert Wärmebrücken an Fenstern und verbessert die Luftdichtheit.
  • Nachteile:
    • Bei alten Fensterkonstruktionen kann ein Fensteraustausch notwendig sein.

Fazit

Die Nachrüstung von Dämmstoffen zur Beseitigung energetischer Schwachstellen an verschiedenen Fassadenausführungen kann durch Maßnahmen wie Außen- oder Innendämmung, Einblasdämmung oder die Integration von Fensteranschlussprofilen erfolgen. Außendämmungen bieten in der Regel den besten Wärmeschutz, während Innendämmungen und Einblasdämmungen gute Alternativen darstellen, wenn die Fassade nicht verändert werden soll. Eine sorgfältige Planung und Ausführung ist entscheidend, um Feuchtigkeitsprobleme und Wärmebrücken zu vermeiden.