www.baukosten.com > >100 Baugewerke im Detail > Vorbereitungen und Rohbauarbeiten > Maurer- und Betonarbeiten > Aussenfassaden
Eine Klinkerfassade ist eine Außenverkleidung von Gebäuden, die aus Klinkersteinen besteht. Diese Art der Fassade ist besonders in Regionen beliebt, in denen Langlebigkeit, Witterungsbeständigkeit und eine hochwertige Optik gefragt sind. Der Aufbau einer Klinkerfassade erfordert präzise Planung und handwerkliches Können. Hier ist eine detaillierte Anleitung zum Aufbau einer Klinkerfassade sowie Überlegungen dazu, wann diese Fassade sinnvoll ist:
1. Aufbau einer Klinkerfassade
a) Vorbereitung
- Untergrundprüfung:
- Der Untergrund muss tragfähig, eben und trocken sein. Vor Beginn der Arbeiten wird geprüft, ob das Mauerwerk oder die Dämmung für das Aufbringen der Klinker geeignet ist. Eventuell sind Vorarbeiten wie das Ausbessern von Rissen oder das Anbringen einer Sperrschicht erforderlich.
- Planung der Fassade:
- Die Anordnung der Klinkersteine (Verband) wird genau geplant, um ein gleichmäßiges und optisch ansprechendes Muster zu erzielen. Häufige Verbände sind der Läuferverband, der Kreuzverband oder der Blockverband.
- Materialauswahl:
- Klinkersteine werden in verschiedenen Farben, Formen und Oberflächen angeboten. Die Wahl des richtigen Materials hängt von ästhetischen Vorlieben, den klimatischen Bedingungen und der Architektur des Gebäudes ab.
b) Aufbau der Tragschale
- Anbringen einer Wärmedämmung (optional):
- Bei modernen Gebäuden wird oft eine Wärmedämmung angebracht, bevor die Klinkerfassade errichtet wird. Diese wird mit speziellen Dübeln am Mauerwerk befestigt. Bei zweischaligem Mauerwerk wird die Dämmung zwischen der Tragkonstruktion und der Klinkerschicht eingebracht.
- Erstellen der Tragschale:
- Die Klinker werden auf einer tragfähigen Schicht (meist einer Betonplatte oder einem stabilen Fundament) aufgemauert. Die erste Schicht wird sorgfältig ausgerichtet, da sie die Basis für die gesamte Fassade bildet.
c) Verblendmauerwerk setzen
- Mauern der Klinkersteine:
- Die Klinkersteine werden Schicht für Schicht im gewählten Verband gemauert. Jede Schicht wird sorgfältig ausgerichtet und die Fugen werden gleichmäßig und präzise ausgeführt. Die Fugenbreite beträgt in der Regel etwa 10 bis 12 mm.
- Einbau von Dehnungsfugen:
- Dehnungsfugen sind erforderlich, um Bewegungen des Gebäudes und Temperaturschwankungen auszugleichen. Diese Fugen werden in regelmäßigen Abständen (ca. alle 10 bis 15 Meter) sowie an Gebäudeecken und Anschlüssen zu anderen Bauteilen eingeplant.
- Einbau von Ankerverbindungen:
- Um die Klinkerschale mit dem tragenden Mauerwerk zu verbinden, werden Anker (Drahtanker oder Edelstahlanker) in die Fugen eingesetzt. Diese sorgen dafür, dass die Klinkerfassade sicher mit dem Gebäude verbunden ist und nicht abkippt.
d) Verfugung und Nachbearbeitung
- Verfugen der Klinkersteine:
- Nachdem das Mauerwerk errichtet ist, werden die Fugen mit speziellem Mörtel verfugt. Dieser Mörtel muss wetterfest und farblich auf die Klinker abgestimmt sein. Die Verfugung kann bündig, leicht vertieft oder gewölbt ausgeführt werden, je nach gewünschter Optik.
- Nachbearbeitung:
- Eventuelle Mörtelreste werden von den Klinkersteinen entfernt und die Fassade wird gereinigt. Dies kann mit einem weichen Besen oder einer Bürste erfolgen.
- Imprägnierung (optional):
- Eine Imprägnierung kann aufgetragen werden, um die Fassade zusätzlich gegen Feuchtigkeit und Schmutz zu schützen. Dies ist besonders in Regionen mit hoher Feuchtigkeit oder starker Verschmutzung sinnvoll.
2. Wann ist eine Klinkerfassade sinnvoll?
a) Langlebigkeit und Wartungsarmut
- Hohe Lebensdauer:
- Klinkerfassaden sind äußerst langlebig. Klinkersteine bestehen aus gebranntem Ton und sind extrem widerstandsfähig gegenüber Witterungseinflüssen, mechanischer Beanspruchung und chemischen Belastungen. Sie können problemlos mehrere Jahrzehnte überdauern, ohne dass größere Wartungsarbeiten erforderlich sind.
- Geringer Wartungsaufwand:
- Im Vergleich zu Putzfassaden oder Holzverkleidungen sind Klinkerfassaden nahezu wartungsfrei. Sie müssen nicht gestrichen oder regelmäßig gereinigt werden und behalten ihre Optik über lange Zeit hinweg.
b) Witterungsbeständigkeit und Schutzfunktion
- Hervorragender Witterungsschutz:
- Klinkerfassaden bieten einen sehr guten Schutz gegen Regen, Schnee, Frost und UV-Strahlung. Die Wasseraufnahmefähigkeit von Klinker ist sehr gering, wodurch die Fassade weniger anfällig für Feuchtigkeitsschäden und Frostabplatzungen ist.
- Guter Schallschutz:
- Klinkersteine tragen aufgrund ihrer Massivität auch zu einer Verbesserung des Schallschutzes bei. Dies ist besonders in urbanen Gebieten oder in der Nähe von Verkehrswegen von Vorteil.
c) Energieeffizienz
- Wärmedämmung:
- In Kombination mit einem Wärmedämmverbundsystem (WDVS) oder als Teil eines zweischaligen Mauerwerks tragen Klinkerfassaden erheblich zur Energieeffizienz des Gebäudes bei. Sie schützen das Gebäude vor Wärmeverlust im Winter und vor Überhitzung im Sommer.
- Speicherfähigkeit:
- Klinkersteine speichern Wärme gut und geben diese langsam wieder ab. Dies kann das Raumklima positiv beeinflussen und zur Senkung der Heizkosten beitragen.
d) Ästhetik und Wertsteigerung
- Zeitloses Design:
- Klinkerfassaden verleihen Gebäuden eine zeitlose und hochwertige Optik. Sie passen sowohl zu traditionellen als auch zu modernen Baustilen und können in verschiedenen Farben und Oberflächenstrukturen ausgeführt werden.
- Wertsteigerung des Gebäudes:
- Eine Klinkerfassade kann den Wert eines Gebäudes steigern, da sie als hochwertig, langlebig und pflegeleicht gilt. Dies macht sie besonders attraktiv für Eigenheimbesitzer und Investoren.
e) Anwendungsbereiche
- Regionale Tradition:
- In einigen Regionen, insbesondere in Norddeutschland, den Niederlanden und Teilen Skandinaviens, sind Klinkerfassaden traditionell weit verbreitet. In solchen Gegenden fügt sich eine Klinkerfassade harmonisch in das bestehende architektonische Umfeld ein.
- Hohe Anforderungen an die Langlebigkeit:
- Klinkerfassaden sind sinnvoll bei Bauprojekten, bei denen eine hohe Langlebigkeit und Wartungsarmut gefordert sind, z.B. bei öffentlichen Gebäuden, Wohnanlagen oder hochwertigen Einfamilienhäusern.
Fazit:
Eine Klinkerfassade ist eine langlebige, wartungsarme und ästhetisch ansprechende Wahl für Gebäude, die hohen Witterungs- und Belastungsansprüchen genügen müssen. Sie eignet sich besonders für Regionen mit starkem Regen, Frost oder hoher Luftverschmutzung und kann die Energieeffizienz und den Wert eines Gebäudes erheblich steigern. Der Aufbau erfordert jedoch sorgfältige Planung und handwerkliches Können, insbesondere in Bezug auf die Verbindung mit dem tragenden Mauerwerk und die Vermeidung von Wärmebrücken.